Australischer Bergbaukonzern
Rio Tinto trägt Schuldenberg ab

Das Vorhaben gleicht einem Griff in die Nesseln - wo die Minengesellschaft auch ansetzt, es tut weh. Rio Tinto streicht Investitionen, verringert die Belegschaft und begrenzt die Dividende. Die Liquiditätssorgen dürften fürs erste vom Tisch sein - aber die Zeit der schmerzhaften Anpassungen ist noch nicht vorbei.

Es gibt einen richtigen und einen falschen Weg, Anleger darüber zu informieren, wie es um die Bilanz des Unternehmens bestellt ist. Der falsche - siehe das Schicksal von Lehman Brothers - heißt warten, bis sich das Problem von alleine löst. Tinto hat einen klügeren Weg gewählt. Die anglo-australische Minengesellschaft gab jetzt die drastischen Pläne bekannt, mit deren Hilfe sie ihre Liquidität im nächsten Jahr erhalten und den 39-Milliarden-Dollar-Schuldenberg um ein Viertel reduzieren will. Die Folgen werden nicht sehr erfreulich sein, aber das entschlossene Vorgehen wird Rio zugute kommen.

Rio läuft keine Gefahr, Kreditvereinbarungen mit Banken zu brechen. Aber im Oktober 2009 müssen Schulden in Höhe von 8,9 Milliarden Dollar zurückgezahlt oder refinanziert werden - das reicht, um fast den gesamten Cashflow aus der laufenden Geschäftstätigkeit zu verschlingen. Die Quadratur des Kreises soll dennoch gelingen. Dafür will Rio mit den jetzt angekündigten Sparmaßnahmen sorgen: Investitionskürzungen um 5 Milliarden, Kostensenkungen im kommenden Jahr um eine Milliarde und Streichung der ursprünglich geplanten Dividendenerhöhung um 500 Millionen Dollar - insgesamt kommen so im Jahr 2009 Einsparungen in Höhe von 6,5 Milliarden Dollar zusammen. Der Rest soll über Kreditlinien im Gesamtumfang von 6,5 Milliarden Dollar abgedeckt werden. Wenn alles schiefläuft, verfügt Rio noch über veräußerbare Vermögenswerte im Wert von, je nach Marktlage, rund 30 Milliarden Dollar.

Wer so tiefe Eingriffe vornimmt, muss sich aber auch auf Spätfolgen und Unbehagen einstellen. Die Investitionen in Zukunftsprojekte werden um etwa zwei Drittel gekürzt. Wenn Rio damit Recht behält, dass Minenrohstoffe innerhalb der nächsten fünf Jahre auf wachsende Nachfrage treffen, dann könnten die aufgeschobenen Investitionen der Konkurrenz Vorteile verschaffen. Wenn die Preise steigen, kann Rio nicht in vollem Umfang profitieren, weil die Minen zu wenig Rohstoffe fördern können. Weniger verschuldete Unternehmen wie BHP Billiton - das im vergangenen Monat von einem Übernahmegebot in Aktien für Rio zurücktrat - haben dann im Wettbewerb die Nase vorn.

Der nächste schmerzhafte Schlag könnte im Februar drohen, wenn Rio die Anleger über den aktuellen Marktwert seiner Vermögenswerte informieren muss. Im Oktober 2007 zahlte der Minenbetreiber rund 38 Milliarden Dollar für den kanadischen Aluminiumproduzenten Alcan. Seitdem sind die Aluminiumpreise am Kassamarkt um 40 Prozent gefallen und die angeblich sichere Alcan-Investition hat an Wert verloren. Selbst wenn die Kursentwicklung an den Devisenmärkten Rio begünstigt, werden peinliche Abschreibungen nicht zu vermeiden sein. Aber dennoch, die Peinlichkeit ist zu verkraften, ein Refinanzierungsnotstand vielleicht nicht. Andere Unternehmen, die ebenfalls vor Umschuldungsterminen stehen, sollten sich das zu Herzen nehmen.

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