Autokrise
GM: Ärger hoch drei

Zwischen der Gewerkschaft und den Anleiheinhabern von GM ist ein Streit darüber entbrannt, wer im Kampf des Autobauers gegen die Insolvenz größere Zugeständnisse machen sollte. Beide Seiten scheinen das Ungemach zu unterschätzen, das auf sie zukommt. In den Ring steigt nämlich ein schlagkräftigerer Kämpfer: Die US-Regierung.
  • 0

Die Anleiheinhaber und die Gewerkschaft von General Motors (GM) scheinen sich auf ein paar Monate erbitterter Auseinandersetzungen einzustellen. Aber ihr in aller Öffentlichkeit geführter Streit darüber, wer im Kampf des Autobauers gegen die Insolvenz die größeren Zugeständnisse machen sollte, könnte tatsächlich nebensächlich werden. Beide Seiten könnten sich einem größeren Ungemach ausgesetzt sehen, als sie zu erwarten scheinen, denn jetzt steigt ein schlagkräftigerer Kämpfer in den Ring: die US-Regierung.

Im Dezember hatte alles noch ganz anders ausgesehen. Damals bestand die Hoffnung, dass die Überbrückungskredite der US-Regierung GM drei Monate lang über Wasser halten würden, während die Spitzenkräfte des Autobauers die Kosten senkten, um den Produzenten wieder auf den Weg zur Rentabilität zu führen. Die Umstrukturierung sollte unter anderem vorsehen, dass die Anleiheinhaber unbesicherte Schuldtitel über fast 30 Mrd. Dollar um mindestens zwei Drittel reduzierten, und dass die Autogewerkschaft UAW Aktien statt Cash für die Hälfte der ausstehenden 20 Mrd. Dollar akzeptieren würde, die einem unabhängigen Trust zur Verwaltung der Gesundheitsversorgungskosten der Arbeiter geschuldet werden.

GM hat nichts davon umsetzen können, so dass US-Präsident Obama dem Unternehmen eine Galgenfrist von weiteren sechzig Tagen - und zusätzliche Regierungsmittel - zugesagt hat. Es muss also damit gerechnet werden, dass die Gewerkschaft erneut immer wieder behaupten wird, ihre Mitglieder hätten schon viele Opfer gebracht, was wiederum lautstark von den Anleiheinhabern widerlegt werden wird. Doch diese Argumente könnten sich schnell als fast irrelevant erweisen.

Und zwar deshalb: Die US-Regierung hat bereits 13,4 Mrd. Dollar nur dafür ausgegeben, GM am Leben zu erhalten. Im kommenden Jahr dürften noch einmal 16 Mrd. Dollar folgen. GM hat zudem um Hilfen über 7,7 Mrd. Dollar ersucht, mit denen die Entwicklung umweltfreundlicherer Autos finanziert werden soll. Ausländische Regierungen sollen bis zu sechs Mrd. Dollar beisteuern. Alles in allem kommen 44 Mrd. Dollar zusammen. Selbst wenn die Gewerkschaft und die Anleiheinhaber jeweils zustimmten, nur 20 cts zum Dollar für ihre Ansprüche gegenüber GM über zusammen 50 Mrd. Dollar zu akzeptieren - das ist weit weniger als bisher angenommen wurde - würde dies immer noch nicht ausreichen, um die neuen Verbindlichkeiten gegenüber den Regierungen auszugleichen, die GM jetzt noch obendrauf setzt.

Darüber hinaus werden die Regierungskredite - zusammen mit den bestehenden besicherten Schuldtiteln über ungefähr elf Mrd. Dollar - wahrscheinlich vor den Forderungen der Bond-Inhaber und der Gewerkschaft rangieren. Das bedeutet, dass beide Gruppen Gefahr laufen, sich mit dem abfinden zu müssen, was an Krümeln vom Tisch des Insolvenzgerichts noch abfällt, nachdem die vorrangigen Forderungen bedient wurden. Und selbst ein erfolgreicher Umbau von GM garantiert nicht, dass die Gewinne der Firma üppig genug ausfallen, um Verbindlichkeiten über etwa 55 Mrd. Dollar tragen zu können - zumindest nicht über Jahre hinweg. Strikt juristisch gesehen, könnten also vielleicht nicht einmal mehr Krümel für die Gewerkschaft oder die unbesicherten Gläubiger übrig bleiben.

Damit bleiben den beiden Parteien nur unattraktive Optionen: Entweder sie schlagen jetzt bei einem scheinbar erniedrigenden Geschäft ein und können zumindest überhaupt noch etwas mit nach Hause tragen oder sie müssen beten, dass sie clever genug kämpfen können, um im Spiel mit dem Untergang die US-Regierung austricksen zu können.

Kommentare zu " Autokrise: GM: Ärger hoch drei"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%