Banken
Bewertungsregeln: Ein Glücksspiel

Ist es Zeit für die Banken, ihre Bewertung nach oben zu korrigieren? Da die meisten Märkte in diesem Quartal zulegen, wäre man fast versucht, dies zu denken. Einige könnten davon profitieren. Aber andere haben nur noch wenig Giftmüll im Keller. Wieder andere hatten vorher keine vollständige Neubewertung vorgenommen. Und die Bilanzierungsregeln könnten ihnen große Bewertungsspielräume eröffnen. Es wird schwierig werden, die Gewinne genau in Zahlen zu fassen.
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Können die Banken endlich ihre Bewertungen wieder nach oben korrigieren? Da die meisten Märkte in diesem Quartal zulegen, hat dieser Gedanke etwas Verlockendes. Und einige Firmen sollten sogar in der Lage sein, Gewinne zu präsentieren. Doch diese werden nicht so leicht nachzuvollziehen sein, wie dies die Verbesserungen der Kurse implizieren.

Warum denn das? Schließlich sind die maßgeblichen Indizes für Anleihen und Übernahmefinanzierungen auf beiden Seiten des Atlantik seit März zwischen 20 und 30 Prozent gestiegen. Die begeisterte Reaktion auf US-Stützungsmaßnahmen wie die Public-Private Investment Partnership zur Entsorgung fauler Vermögenswerte der amerikanischen Banken und die Term Asset-Backed Loan Facility zur Wiederbelebung des Verbriefungsmarkts haben zur Stabilisierung der Bond-Indizes für Wohn- und Gewerbeimmobilientitel beigetragen, auch wenn sie einige ihrer Gewinne jüngst wieder abgegeben haben.

Für Goldman Sachs und Morgan Stanley ist dies nahezu bedeutungslos. Sie könnten allerdings von einer Erholung der Preise für Übernahmefinanzierungen profitieren - wenn auch nicht in enormem Ausmaß, denn beide Häuser haben ihre Portfolios auf unter fünf Mrd. Dollar gesenkt. Bei ihnen liegt auch nicht mehr allzu viel Giftmüll in Form von Hypothekenpapieren im Keller. Und wenn dies doch noch der Fall ist, wirken oftmals Sicherungsgeschäfte und andere Positionen schmerzlindernd. Im vergangenen Quartal erzielte Morgan Stanley zum Beispiel Gewinne über 1,5 Mrd. Dollar, indem die Bank neue Positionen bei gewerblichen Hypothekenbonds einging und alte absicherte. Dadurch konnten Verluste über 800 Mill. Dollar auf Vermögenswerte aus der Vergangenheit mehr als ausgeglichen werden.

Noch unklarer ist, wie es den im Kredit- und Depositengeschäft tätigen Commercial Banks ergehen wird. Sicher werden einige von ihnen, wie die Bank of America und die Citigroup, vielleicht bei zweifelhaften Hypothekenanleihen und CDOs Aufwertungen vornehmen können, die sie immer noch halten und die ihre Einbußen über mehrere Milliarden Dollar verursacht hatten. Aber neue Bilanzierungsrichtlinien räumen den Banken eine größere Flexibilität bei der Preisfestsetzung solcher Vermögenswerte ein. Die Entscheidung, ob man für das zweite Quartal einen Gewinn verbucht oder nicht, könnte also darauf hinauslaufen, ob die Banken Hilfe dabei benötigen, die Gewinnschätzungen zu erreichen oder ob sie sich überlegen, dass es nicht der Mühe wert ist, einen Gewinn anzugeben, wenn sie in den kommenden Monaten ohnehin wieder in den Minusbereich zurückfallen.

Darüber hinaus bewerten die meisten Banken nicht ihre gesamten Kreditbücher zu Marktpreisen. Sie nehmen vielmehr Abschreibungen vor, wenn die tatsächlichen Verluste eintreten - so dass sie von steigenden Bewertungen profitieren können. Da sich die Ausfälle häufen, könnten problematische Kredite aber zu einer Quelle weiterer Abschreibungen werden. Und selbst wenn sie die Werte dem Markt anpassen, wie bei Übernahmefinanzierungen, wird es kaum zu allumfassenden Gewinnen kommen: JPMorgan, zum Beispiel, könnte zwar vielleicht ihren Alliance Boots-Kredit nach oben korrigieren, wird bei Chrysler wahrscheinlich aber einen Verlust erleiden.

Und noch ein Faktor ist zu berücksichtigen: Die launige US-Bilanzierungsrichtlinie, die es allen Banken vorschreibt, ihre eigenen Schuldtitel zu Marktpreisen zu bewerten, die dazu führt, dass sie im vergangenen Jahr Gewinne verbuchten, als die Kurse für die Schuldtitel fielen, und Verluste schreiben, während sie sich jetzt erholen. Nach Berechnungen von Barclays könnte dies bei Morgan Stanley in diesem Quartal bei den Einnahmen zu einem Minus von fast zwei Mrd. Dollar führen.

Die gute Nachricht ist die, dass weit verbreitete Verluste über mehrere Mrd. Dollar in diesem Quartal nicht stattfinden dürften und die Aufwärtsbewegung der Märkte das Neugeschäft sicher gestützt hat. Aber zumindest vorerst sind Schätzungen über Höherbewertungen ein Glückspiel.

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