BCE
Dem einen nicht recht, dem anderen nicht billig

Werden die Rechte der Anleihe-Inhaber den letzten Mega-Deal des vergangenen Übernahme-Booms vereiteln? Ein kanadisches Gericht hat den Bond-Investoren gerade einen großen Sieg beschert, indem es geurteilt hat, dass die mit Fremdkapital finanzierte Übernahme über 52 Mrd. Dollar des Telekom-Giganten BCE sie nicht angemessen berücksichtigt.

Werden die Rechte der Anleihe-Inhaber den letzten Mega-Deal des vergangenen Übernahme-Booms vereiteln? Ein kanadisches Gericht hat den Bond-Investoren gerade einen großen Sieg beschert, indem es geurteilt hat, dass die mit Fremdkapital finanzierte Übernahme über 52 Mrd. Dollar des Telekom-Giganten BCE sie nicht angemessen berücksichtigt. Wenn das Urteil nicht in der nächsten Instanz gekippt wird, wird der geplante Abschluss - der ohnehin schon gefährdet ist, weil die beteiligten Banken bei den Kreditkonditionen Rückzieher gemacht haben - vermutlich scheitern. Aber die Anleihebesitzer werden ihren Sieg vielleicht noch bereuen.

Die Investoren, die von Unternehmen begebene Anleihen gekauft haben, welche schließlich zu Übernahmekandidaten bei LBOs wurden, haben unzählige Milliarden verloren. Die Übernahmefirmen haben sie mit Krediten beladen und damit ehemals als erstklassig eingestufte Unternehmen tief in hochspekulatives Territorium gestoßen. So hatte die Rating-Agentur S&P zum Beispiel die Bonitätsbewertung von BCE im vergangenen Jahr um sechs Stufen auf "BB-" zurückgenommen, nachdem sich die Einzelheiten der LBO-Finanzierung abgezeichnet hatten. Die Anleger, die weit blickend genug gewesen waren, Schuldtitel zu kaufen, die mit Klauseln über einen Wechsel der Eigentumsverhältnisse versehen waren, konnten die Übernahmefirmen dazu zwingen, die Wertpapiere - oft mit einem Aufschlag - zurückzukaufen. Doch diese so genannten Gift-Puts waren bis Anfang 2007 eher selten.

Der Triumph der Anleihe-Inhaber im Fall von BCE ist also bemerkenswert. Seine Reichweite ist allerdings auf Firmen begrenzt, die der kanadischen Gesetzgebung unterstehen - welche von den Boards verlangt, die Interessen der "Anspruchsberechtigten" zu berücksichtigen. Und BCE und die sie umwerbenden Beteiligungsgesellschaften hoffen auf eine Revision des Urteils in der nächsten Instanz. Falls diese ausbleibt und der Deal zusammenbricht, sollte der Wert der umlaufenden Bonds anziehen.

Trotzdem gehen die Anleihebesitzer ein Risiko ein, wenn sie den Unterschied zwischen sich selbst und den Aktieninhabern verwischen. Normalerweise bekommen sie einen Anteil an den Vermögenswerten einer insolventen Firma, bevor die Aktieninvestoren bezahlt werden. Wenn aber die Bond-Inhaber jetzt auf einigen aktienähnlichen Absicherungen bestehen, dann könnten die Anwälte der Aktieninhaber argumentieren - und das erscheint nur gerecht -, dass sie auch einen größeren Anteil an den Nachteilen mittragen, falls das Unternehmen zahlungsunfähig wird. Zugegeben, die Wahrscheinlichkeit ist gering, aber sie erhöht das Risiko der Bonds, was sie unter Druck setzen könnte. Und wenn BCE tatsächlich doch ins Schleudern geraten würde, könnten die Vorteile, die die Anleihe-Inhaber jetzt vor Gericht erkämpft haben, später ausradiert werden, wenn eine Erholung nicht mehr das momentane Niveau erreicht.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%