Bear-Optionen
Neues von der Bärenjagd

Selbstverständlich sollten die Aufsichtsbehörden genau untersuchen, wer sich auf Optionen gestürzt hat, die sich im Falle eines Zusammenbruchs von Bear Stearns auszahlten. Aber es gab durchaus Gründe, die Papiere zu kaufen, auch wenn man nicht gerade Teil einer Verschwörung war, um das Brokerhaus in die Pleite zu treiben.

Wenn man sich in Stellung bringt, um vom Niedergang einer Firma zu profitieren, bedeutet dies dann auch gleich, dass man ihren Ruin verursacht hat? Diese Frage muss untersucht werden, nachdem ans Licht gekommen ist, dass Investoren in der Woche vor dem Zusammenbruch von Bear Stearns Verkaufsoptionen über rund 1,7 Mill. Dollar gekauft haben, die sich nur dann rentierten, wenn die Aktien des Wertpapierhauses kollabierten. Ja, die Aufsichtsbehörden sollten auf ihrer Jagd nach Bösewichten sorgfältig untersuchen, wer die Optionen gekauft hat und warum. Aber für sich genommen, ergeben die Puts noch keinen schlagenden Beweis.

Nach einem Bericht der Nachrichtenagentur Bloomberg trugen die Optionen einen Ausübungspreis von 30 Dollar und 25 Dollar je Aktie, während die Titel der Bank bei fast 63 Dollar gehandelt wurden. Und seltsamerweise hatten die Papiere nur eine Laufzeit von neun Tagen bis zum letztmöglichen Ausübungstermin. Auch wenn die Zukunftsaussichten der Firma zunehmend in Frage gestellt wurden, sieht eine Wette darauf, dass ihre Aktien in diesem Zeitraum um mehr als die Hälfte fallen würden, weit hergeholt aus.

Wenn die Käufer aufgrund von Insider-Informationen über den Zustand von Bear gehandelt haben, oder wenn sie - wie spekuliert worden ist - die Optionen gekauft haben und dann unbegründete Gerüchte gestreut oder eine Liquiditätskrise beschleunigten, indem sie ihr Geschäft abgezogen hatten, hätten die Aufsichtsbehörden einen Grund dazu einzugreifen.

Aber solche Handelsabschlüsse existieren nicht im luftleeren Raum, da gibt es auch andere Erklärungen. Zunächst einmal waren viele Investoren besorgt über die Situation von Bear und suchten nach einem Weg, um ihre Transaktionen mit Bear loszuwerden oder sie, um es im Wall Street-Jargon zu sagen, anderen zu übertragen. Jene Wall Street-Firmen, die sich bereit erklärt hatten, die Risikopositionen ihrer Kunden gegenüber Bear zu übernehmen - oder die ihren Kunden Puts als Absicherung verkauft hatten, - hätten klug gehandelt, wenn sie sich auf dem Optionsmarkt eine billige Katastrophenversicherung gekauft hätten.

Und dann wäre da noch der simple Nachahmer-Effekt. Wenn Investoren - groß oder klein - gesehen haben, dass Puts, die weit aus dem Geld liegen, plötzlich an den Börsen aktiv gehandelt werden, dann könnten sie zu Recht gedacht haben, dass andere etwas über den Zustand von Bear wissen, von dem sie keine Ahnung haben. Das hätte ausreichen können, um manche von ihnen dazu zu bewegen, ein bisschen Kleingeld auf den Tisch zu legen, um selbst die Optionen zu kaufen.

Und schließlich werden die Aufseher Schwierigkeiten damit haben, zu beweisen, dass die Optionskäufer in frevlerischer Absicht gehandelt haben. Diejenigen, die auf eine Manipulation des Marktes aus gewesen wären, hätten sich ja auch idiotisch verhalten, wenn sie ihre Wetten an den Optionsbörsen platziert hätten, wo ihre Positionen für alle sichtbar gewesen wären. Für diejenigen, die ihre Spuren zu verwischen suchten, hätten sich schattigere Plätze, wie etwa der Markt für Kreditderivate, angeboten.

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