Bear Stearns
Bear in Gefahr

Bear Stearns ist nicht in der gleichen Notlage wie der Kreditfonds Carlyle Capital. Die Investmentbank mag zwar hoch mit Fremdkapital beladen sein, aber sie ist größer, raffinierter und sie verfügt über breiter gestreute Geschäftsfelder. Allerdings ist sie einer der Gläubiger von Carlyle Capital und sie leidet an einer Variante derselben Malaise: am Argwohn ihrer Gegenparteien.

Die Investoren haben den Aktien von Bear Stearns noch einmal Verluste über rund sieben Prozent beigebracht. Ihre Hauptsorge ist, dass die kleinste der bekannten Investmentbanken der Wall Street – und diejenige, die am meisten auf Einkünfte aus hypothekenbezogenen Instrumenten angewiesen ist – bald nicht mehr über die nötige Liquidität verfügen könnte, um ihre Handels- und Finanzierungspartner zu bezahlen.

Die Firma streitet einen solchen Engpass ab. Aber das offenkundige Ende von Carlyle Capital, dem in Amsterdam notierten Hedge Fonds, der sich stark verschuldet hatte, um in Hypothekentitel zu investieren, ist ein Lehrstück darüber, was passieren kann, wenn die Gegenparteien das Vertrauen verlieren. Und wie schnell es gehen kann.

Bear ist einer der Gläubiger des Fonds, der am Mittwoch Abend seine Versuche eingestellt hatte, sein Portfolio von US-Hypothekentiteln mit erstklassiger Bonität zu refinanzieren. “ Es ist klar zu Tage getreten…, dass sich die Basis, auf der Kapitalgeber bereit sind, eine Finanzierung gegen die Sicherheiten des Unternehmens bereitzustellen, so grundlegend geändert hat, dass eine erfolgreiche Refinanzierung nicht möglich ist”, hatte Carlyle Capital mitgeteilt.

Ob Bear Geld mit den Bonds aus dem Fonds verlieren wird, wird sich zeigen. Generell könnte die Investmentbank allerdings von den eigenen Gläubigern einem ähnlichen Druck ausgesetzt werden. Wie Carlyle Capital sind auch die Investmentbanken im Allgemeinen hoch mit Fremdkapital beladen. Das Verhältnis der Aktiva zum Eigenkapital bei dem Fonds lag am Ende des vergangenen Jahres bei 32, Bear wies Ende November ein Verhältnis von 34 auf, berichtet Bloomberg.

Natürlich ist Bear viel größer, die Vermögenswerte der Bank und die Einnahmequellen sind viel breiter gestreut. Und ihre Finanzierung ist nicht in demselben Maße auf kurzfristige Rückkaufvereinbarungen zugeschnitten. Dadurch ist das Institut viel weniger anfällig, selbst wenn die Gläubiger plötzlich mehr Sicherheiten verlangen sollten - eben jene Nachschussforderungen, die den begrenzten Vorrat liquider Mittel bei Carlyle Capital aufgezehrt hatten.

Aber die relative geringe Größe der Investmentbank und ihre Konzentration auf den US-Hypothekenmarkt – wo die Fäulnis, die bei Darlehen zweitklassiger Bonität eingesetzt hatte, mittlerweile selbst die sichersten Kredite zersetzt – machen sie zu einer eindeutigen Zielscheibe für die Repos-Abteilungen anderer Banken und für die Kreditausschüsse, die jetzt partout sämtliche Kreditengagements auf breiter Front reduzieren wollen. Und deshalb sind auch die Anleger so beunruhigt.

Die Expertise im traditionell sehr starken Risikomanagement von Bear Stearns sollte sicherstellen, dass sich ihre Risiken nicht so stark in einem Punkt sammeln, wie das bei Carlyle der Fall gewesen ist, und dass die Bank deshalb mehr Optionen hat als der Kreditfonds. Aber da der „Abbau von Fremdkapital“ die Finanzmärkte immer noch aufhorchen lässt, besteht die Gefahr, dass Bear – wie andere auch – dennoch heiklen Zeiten entgegensieht.

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