Bericht der Bank von England
Von Kredithaien eingekreist

Der jüngste Kreditbericht der Bank von England signalisiert Gefahr. Banken haben die Kreditvergabe eingeengt, und sie werden sie noch stärker straffen. Konsumenten werden in ungedeckte Darlehen gedrängt. Die Schlinge um die britische Wirtschaft zieht sich zu. Zinssenkungen scheinen sicher, aber es ist eher unsicher, ob sie die Probleme lösen.

Die am Donnerstag veröffentlichte aktuelle Ausgabe des Quartalsberichts der Bank von England (BoE) zu den Kreditbedingungen scheint von der Titelmusik des Films „Der weiße Hai“ unterlegt zu sein. Britische Banken haben bei ihren Krediten die Spannen ausgeweitet und Kreditlinien gekürzt, sie sehen sich zudem, kaum überraschend, in den letzten drei Monaten mit höheren Ausfallraten konfrontiert. In den nächsten drei Monaten planen sie die Spannen weiter auszuweiten und die Kreditlinien zu kürzen – und sie erwarten noch mehr Ausfälle. Die Schlinge um die britische Wirtschaft zieht sich zu.

Banken wetteifern darum, Kunden loszuwerden, um ihre eigenen Bilanzen zu stärken. Das bedeutet, Unternehmen und Haushalten den Geldhahn zuzudrehen. Geschwächt werden dadurch alle Akteure der Wirtschaft, einschließlich der Banken selber. Das finanzielle Schmiermittel der Realwirtschaft könnte ernsthaft in Gefahr geraten, warnte am Mittwoch BoE-Ratsmitglied Paul Tucker.

Eine Antwort auf die Kürzung gesicherter Kreditvergaben an Haushalte ist ein Anstieg der Kreditkarten-Verschuldung. Britische Konsumentenkredite erhöhten sich im Februar um 2,4 Milliarden britische Pfund, das ist der größte monatliche Anstieg der letzten fünf Jahre. Dies erklärt sich aus der Tatsache, dass die Versorgung mit relativ günstigen Hypothekendarlehen ausgetrocknet ist, so wie alle Geldquellen aus Immobilienbesitz, die lange Zeit als das einfachste Schmiermittel des Konsums dienten. Bedrängte Haushalte sehen sich gezwungen, auf teurere, kurzfristigere Darlehensformen auszuweichen.

Die Kreditklemme beginnt, den sich abschwächenden britischen Immobilienmarkt zu treffen. Die Wohnungspreise werden wohl in diesem Frühling und im Sommer fallen. Der Einzelhandelsumsatz und das Gesamtwachstum werden folgen. Und die Bank von England, die – wie Tucker und sein Chef Mervyn King kürzlich zeigten – die Kreditkrise so ernst nimmt, das sie mit den Banken spricht, wird sich zu Zinssenkungen gedrängt sehen. Nicht so schnell wie die US-Notenbank, aber langsam, weil sie durch eine gewisse wirtschaftliche Verlangsamung die Inflation eindämmen will. Eine Senkung der Tagesgeldzinsen in der nächsten Woche scheint sicher. Dass dies nicht ausreicht, um die Probleme zu lösen, ist allerdings fast genauso sicher.

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