Börsenbewertung
Aktien sind immer noch zu teuer

Nach den massiven Kursverlusten vom Mittwoch – der S&P 500-Index war um neun Prozent gefallen – sind die führenden Aktienmärkte an dem Punkt angelangt, an dem sie vor zehn Jahren standen. Sicher, die Bewertungen erscheinen niedrig zu sein. Aber da der globale Abschwung gerade erst einsetzt, sehen die Gewinnaussichten miserabel aus.

Die Kasino-Wirtschaft geht zu Ende, aber die Aktienmärkte der Welt trudeln herum wie Kugeln auf der Roulettescheibe. Der jüngste Rückschlag setzte am Mittwoch ein, als der S&P 500-Index um neun Prozent einbrach und der Dow Jones-Index die in den vergangenen Tagen gesehenen Gewinne fast alle wieder abgab. Da sich die führenden Handelsplätze auf dem Niveau von 1999 bewegen - selbst ohne die Erosion durch die Teuerung zu berücksichtigen -, könnten Aktien wie ein Schnäppchen aussehen. Sie sind es aber wahrscheinlich nicht.

Aktien sollen mit einer hohen Rendite für ihr hohes Risiko entschädigen. Daher bereitet eine Dekade armseliger Aktienentwicklung den Investoren Probleme. Britische Pensionspläne investieren typischerweise rund 60 Prozent ihrer Vermögenswerte in Aktien. Ihre Fehlbeträge hatten sich im September mit zusammengenommen 80 Mrd. Pfund Sterling mehr als verdoppelt. Sie werden versucht sein, sich zurückzuziehen.

Sicher, gewöhnlich stellt es sich als großer Fehler heraus, wenn man verkauft, nachdem ein Markt in die Knie gegangen ist. Und Aktien sehen jetzt tatsächlich billig aus. Das Verhältnis des Kurses zu den für 2008 erwarteten Gewinnen ist für fast alle wichtigen Märkte in der vergangenen Woche unter die Marke von 10 gefallen, berichtet Societe Generale.

Das ist, gemessen an den jüngsten historischen Standards, ungewöhnlich niedrig, auch wenn einige erfahrene Beobachter sich noch aus den siebziger Jahren an Vielfache im einstelligen Bereich erinnern können. Was die Anleger zudem ködern könnte, ist der mit gerade einmal 1,5 Prozent äußerst niedrige Fed Funds-Satz und die Aussicht auf fallende Zinsen in Europa und in den Schwellenländern. Billiges Geld hatte die Aktienmärkte schon nach ihrem Zusammenbruch im Jahr 2001 beflügelt und könnte dies wieder tun.

Aber billige Aktien werden im Allgemeinen noch billiger, wenn die Gewinne sinken und die Zukunftsperspektiven sich verdüstern. Und genau dies steht uns wahrscheinlich bevor. Der globale Abschwung setzt gerade erst ein - und er dürfte umfassend und kräftig ausfallen. Die angespannte Kreditlage rund um den Globus wird sich vermutlich negativ auf die Verbraucherausgaben, die Unternehmensgewinne und den Appetit der Investoren auf riskante Vermögenswerte auswirken.

Und selbst nachdem die Rezession nach der Finanzkrise ein Ende gefunden hat, werden sich die Zentralbanker vielleicht in der kommenden Dekade als weniger aktienfreundlich erweisen als während des vergangenen Jahrzehnts. Und dies sollten sie auch sein, denn niedrige Zinsen bringen spekulative Blasen der Vermögenswertpreise hervor.

Per Saldo dürften für viele Investoren die negativen Faktoren, die mit Aktien verbunden sind, deren Anziehungskraft überwiegen. Warum sollte man sich in den Weg stellen, während sie ihre Positionen reduzieren? Das Risiko sieht zu groß aus.

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