BofA/Countrywide
Kapitale Sorgen

Die Bank of America hatte Countrywide für weniger als ein Viertel des Buchwerts gekauft und damit scheinbar ein Schnäppchen gemacht. Aber der Hypothekenfinanzierer könnte der Bank jetzt Verluste von bis zu 30 Mrd. Dollar und zusätzlich noch Gerichtskosten bescheren. Dies könnte den Puffer der Bank schnell aufzehren und den BofA-Chef Ken Lewis dazu zwingen, die Bilanz der Bank erneut zu stützen.

Ken Lewis ist der Überzeugung, dass sich Countrywide Financial bei einer Erholung des US-Hypothekenmarkts gut schlagen wird. Der Chef der Bank of America (BofA) könnte letztendlich Recht behalten. Aber zunächst einmal könnte die Akquisition die Bank dazu zwingen, noch mehr Kapital aufnehmen zu müssen.

Das hört sich im ersten Moment vielleicht seltsam an, schließlich hat sich die BofA Countrywide gerade für weniger als ein Viertel des Buchwerts geschnappt. Aber der Akquisition haften Haken und Ösen an. Zunächst einmal haben einige US-Bundesstaaten Gerichtsverfahren gegen den Hypothekenfinanzierer eingeleitet oder gedenken, dies zu tun. Zudem untersuchen Regierungsbehörden das Unternehmen. Nach Schätzungen von Analysten könnten die Gerichtskosten mindestens zwei Mrd. Dollar erreichen.

Das ist nicht viel, wenn man diesen Betrag mit den möglichen Verlusten im Hypothekenportfolio von Countrywide über 95 Mrd. Dollar vergleicht. Es steckt bis zum Rand voll mit Produkten wie Pay Option ARMs, also Hypothekendarlehen, bei denen unter mehreren Zahlungsweisen gewählt werden kann, Home Equity Loans, bei denen der Kreditnehmer das in den Eigenheimen steckende Eigenkapital als Sicherheit heranziehen kann, und es enthält Subprime-Darlehen geringerer Qualität. Der Kaufpreis ermöglicht es BofA, Verluste von etwa 8,5 Mrd. Dollar zu schultern. Dieses Ausmaß könnte die Katastrophe nämlich erreichen, schätzt Creditsights. Aber es könnte auch noch viel schlimmer kommen. Friedman, Billings & Ramsey rechnet damit, dass sich die Einbußen letztendlich auf bis zu 33 Mrd. Dollar steigern könnten.

Wenn dies einträte, würde das den Puffer von BofA mit Leichtigkeit überrollen - besonders wenn der Schaden eher früher als später eintritt. Gemäß der Bilanzierungsrichtlinien bei einem Unternehmenskauf muss die BofA die Vermögenswerte von Countrywide bei Abschluss der Akquisition nach den derzeitigen Marktkursen bewerten. Wenn die Bank jetzt einen schweren Schlag hinnehmen muss, dann könnte ihre Kernkapitalquote gegenüber dem vom Management gesteckten Ziel von acht Prozent noch weiter nach unten rutschen. Lewis müsste dann erneut die Bilanz stützen - die eigenen Verluste der Bank und die Bar-Übernahmen von LaSalle und US Trust hatten ihn im Verlauf des Jahres bereits dazu gezwungen, 17 Mrd. Dollar an frischem Kapital aufzunehmen.

Wenigstens verfügt Lewis über mehrere Optionen. Er könnte die Jahresdividende von 11,5 Mrd. Dollar kappen, die derzeit mit fast elf Prozent rentiert und damit über der der Branchenkollegen liegt. Er könnte einen Teil seiner Beteiligung an der China Construction Bank von fast elf Prozent verkaufen. Und wenn es ganz dringend wäre, könnte er neue Aktien begeben.

Vor den Aktionären der Bank liegen vielleicht sonnigere Zeiten: Die Kosteneinsparungen aus der Übernahme könnten sich auf 4,5 Mrd. Dollar summieren, die Bank kann Steuergutschriften für Verluste aus den Vermögenswerten von Countrywide einstreichen und die Hypothekenplattform kann sich wieder zu einem rentablen Geschäft entwickeln. Aber in der Zwischenzeit dürften die Aktionäre sehr wahrscheinlich erst einmal einer Schmerzwelle ausgesetzt sein.

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