Britischer Immobilienmarkt
Häuserkampf

Der Wert neuer Hypothekenzusagen ist in Großbritannien im Oktober um 27 Prozent niedriger ausgefallen als der monatliche Durchschnitt der vorhergehenden sechs Monate. Das lässt sich nicht nur auf die Nachwirkungen des Debakels um Northern Rock zurückführen. Es sieht vielmehr so aus, als habe die Kreditkrise ins Schwarze getroffen. Vielleicht reichen nicht einmal mehr Zinssenkungen aus, um diesen Trend umzukehren.

Der Oktober war ein schlechter Monat für das britische Hypothekengeschäft. Der Wert der Hypothekenzusagen für neue erworbene Häuser war um 27 Prozent niedriger als der Durchschnitt der vorhergehenden sechs Monate, berichtete der britische Bankenverband. Es sieht so aus, als würde sich die Schlacht auf den Kreditmärkten zu einem Häuserkampf entwickeln.

Der Rückgang beim Wert der Kreditzusagen im Oktober war mit einem Minus um 19 Prozent gegenüber Vormonat besonders gravierend, aber er bestätigte nur die negativen Signale aus den vorhergehenden beiden Monaten. Noch im Juli hatte der Wert der Hypothekenzusagen um nur drei Prozent unter dem Durchschnitt der vorhergehenden sechs Monate gelegen. Diese gemächliche Abwärtsbewegung hatte schon im Dezember letzten Jahres eingesetzt. Aber im August und September war der Wert der Zusagen dann schon um elf bzw. 13 Prozent hinter dem Sechs-Monats-Durchschnitt zurückgeblieben.

Das Debakel um Northern Rock kann den jähen Absturz vielleicht zum Teil erklären. Die Bank war schon zurückgerudert, bevor sie Mitte September in die Schlagzeilen geriet. Das Verschwinden eines Mitspielers mit einem Marktanteil von 20 Prozent würde sich in jeder Branche störend auswirken.

Aber auch die Konkurrenten des Immobilienfinanzierers tun nichts, um wieder Fahrt aufzunehmen. Dieses zögerliche Verhalten kann kaum überraschen. Jetzt wo Finanzierungen selten und teuer geworden sind, sind die britischen Banken ängstlich darauf bedacht, ihre Bilanzen am Wachsen zu hindern. Das Geschäft mit der Verbriefung von Hypotheken, das in Großbritannien gerade erst ins Rollen gekommen war, ist ausgetrocknet. Und deshalb sind auch Hypothekendarlehen selten und teuer geworden.

Der Rückgang beim Volumen hat sich bis jetzt noch nicht in den Preisen für Eigenheime niedergeschlagen. Unterschiedliche Indizes weisen darauf hin, dass die Preise sich zwar abgeflacht haben, aber noch nicht gefallen sind. Das wird aber nicht zu vermeiden sein, wenn die Kreditklemme anhält.

Fallende Hauspreise könnten wiederum zu einer kleinen Armee von Hauseigentümern führen, die in Zahlungsschwierigkeiten geraten und vielleicht bald enteignet werden. Das wäre eine unerwünschte Entwicklung für die Bank of England, die im August 2005 bei den allerersten Anzeichen wachsenden Drucks auf die Immobilienpreise den Tagesgeldsatz zurückgenommen hatte. Der Markt setzt auf eine Zinssenkung Anfang 2008.

Aber niedrigere Zinsen könnten dieses Mal gar nicht so gut greifen wie beim letzten Mal, als die Immobilienpreise sofort wieder ihren atemberaubenden Aufstieg aufgenommen hatten. Wie man in Amerika gerade erfahren muss, reichen in einer Kreditklemme niedrige Zinsen oft nicht aus, um die Darlehensnehmer aus Schwierigkeiten herauszuhalten.

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