Cablevision
Kabeldiebstahl?

Investoren sollten ihre Entscheidungen nicht immer allein auf wirtschaftliche Überlegungen gründen. Im Fall des 22-Milliarden-Dollar-Übrnahmeangebots für Cablevision etwa könnten Aktionäre auch gut beraten sein, sich einfach stur zu stellen.

Investoren sollten ihre Entscheidungen nicht immer allein auf wirtschaftliche Überlegungen gründen. Im Fall des 22-Milliarden-Dollar-Übrnahmeangebots für Cablevision etwa könnten Aktionäre auch gut beraten sein, sich einfach stur zu stellen. Einige von ihnen befürchten, durch das Übernahmeangebot der Dolan-Familie, die die Mehrheit bei Cablevision besitzt, vom 30-prozentigen Aufwärtspotenzial der Aktie ausgeschlossen zu werden. Diese Bewertung ginge allerdings etwas zu weit.

Dennoch könnten Aktionäre, die gegen den Deal stimmen, recht behalten. Das Unternehmen hat noch kein vernünftiges Bieterverfahren durchgeführt. Und bis dahin können Aktionäre auch nicht wissen, ob die Offerte der Dolans wirklich angemessen ist.

Der Markt hat sich verändert, seit die Dolans Aktionären vor ein paar Monaten einen Preis von 36,26 Dollar anboten. Der Aktienkurs von Time Warner, der einzigen reinen Kabelfernsehgesellschaft, ist um mehr als zehn Prozent gesunken. Zurzeit wird das Unternehmen zum 7,6-fachen seines für 2007 erwarteten Ergebnisses vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) gehandelt. Eine Größenordnung unterhalb des Angebots der Gründerfamilie, die den Wert des Kabelvermögens mit etwa dem Achtfachen und das gesamte Unternehmen, einschließlich der Knicks und Rangers Sportmannschaften, mit mehr als dem Zehnfachen der erwarteten Ergebnisse bewertet.

Aber trotzdem argumentieren Aktionäre, Cablevision sei wesentlich mehr wert - 47 Dollar pro Aktie seien eher angemessen, meinen einige. Sie errechnen diesen Wert anhand eines Summe-der-Einzelteile-Modells, das für das reine Kabelgeschäft einen Ergebnismultiplikator von zehn zugrunde legt. Es ist allerdings schon einige Zeit her, dass Kabelfernsehgesellschaften so hoch gehandelt wurden.

Das Preisschild, das die Aktionäre auf dem Unternehmen sehen, könnte also eher frommem Wunschdenken entspringen. Und dennoch haben sie allen Grund, über das Angebot der Dolans verärgert zu sein. Häufig werden beim Auktionsverfahren Prämien für Unternehmen geboten. Die Chance auf einen solchen Aufschlag bot die Gründerfamilie den Aktionären nicht. Die Dolans bleiben dabei, nicht an einen Konkurrenten zu verkaufen, auch wenn Time Warner bereit ist, mehr als 40 Dollar pro Aktie zu zahlen. Sie haben es auch abgelehnt, einen weiteren Eigenkapitalgeber zu akzeptieren, eine andere Möglichkeit die Privatisierung durchzuführen.

Die Dolans kontrollieren das Unternehmen mit einem Anteil von über 70 Prozent der Stimmrechte. Sie haben es also in der Hand, über die Form der Übernahme zu entscheiden. Aber sie können die Aktionäre nicht dazu zwingen, einen Preis zu akzeptieren, der als unfair empfunden wird. Und wenn sie die Aktionäre davon überzeugen wollen, dass der Preis, den sie für die Übernahme bieten, der beste ist, dann sollten sie es durch ein öffentliches Bieterverfahren beweisen.

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