Cadbury-Übernahme
Kraft-Offerte hinterlässt einen faden Beigeschmack

Die von Kraft vorgeschlagene Übernahme von Cadbury über zehn Mrd. Pfund könnte für die Aktionäre des Nahrungsmittelgiganten eine Zerstörung von Werten bedeuten. Die Synergien sind vielleicht ausgeprägter als Kraft zugeben will. Doch da die Cadbury-Aktien nach oben schießen und Gegengebote möglich sind, könnte ein Deal letztendlich so teuer werden, dass er den Investoren von Kraft den Appetit verdirbt.
  • 0

Einen Gegner überrascht man am besten, wenn man ihn angreift, während man selbst gerade einen wichtigen Feiertag begeht. Militärstrategen wissen das. Man denke nur an Nordvietnams Tet-Offensive. Oder an die unerwünschte Übernahme-Offerte von Kraft Foods für Cadbury über 10,2 Mrd. Pfund Sterling, die der Nahrungsmittelriese just am 7. September vorgelegt hat, als die meisten seiner Kunden und Investoren in Amerika den Labor Day feierten.

Indem die Kraft-Chefin Irene Rosenfeld den Abzug betätigt hat, während die US-Märkte feiertagsbedingt geschlossen waren, mag sie vermieden haben, eine Abwärtsbewegung der Aktien des eigenen Unternehmens verteidigen zu müssen und dabei gleichzeitig für die Vorzüge des größten feindlichen Übernahmegebots, das Kraft jemals unterbreitet hat, einzutreten. Doch die Abrechnung wurde damit nur vertagt. Der Hersteller von Velveta-Käse und Ritz-Cracker wird seinen Aktionären einiges erklären müssen, wenn die Märkte wieder öffnen. Zunächst einmal wirft die Offerte für die genesende Cadbury Fragen über die eigenen Anstrengungen von Kraft auf, die Gewinne zu erhöhen und ohne Zukäufe zu wachsen. Ihre Vorgänger an der Führungsspitze hatten Vermögenswerte - Altoids und Lifesavers - in Marktsegmenten verkauft, in die sich Rosenfeld jetzt wieder einkaufen will.

Aber der Nahrungsmittelriese muss überdies darlegen, wie er sich den Produzenten von Trident-Kaugummi und Sour Patch Kids einverleiben will, ohne dabei Werte für die Aktionäre zu zerstören. Immerhin haben sich die Aktien des Übernahmekandidaten weit über die bei der Offerte vorgeschlagenen 745 p je Aktie hinausbewegt. Nimmt man die Synergie-Einschätzungen von Kraft für bare Münze, dann wird das Wohlergehen seiner Aktionäre jetzt schon dem Abschluss geopfert. Berücksichtigt man die Verbindlichkeiten von Cadbury, dann erreicht der Gesamtwert des Unternehmens bei dem Deal 11,7 Mrd. Pfund. Cadbury dürfte 2009 einen Betriebsgewinn von etwa 700 Mio. Pfund erzielen, schätzt FactSet JCF. Dazu kommen die in Aussicht gestellten Kostenkürzungen von rund 390 Mio. Pfund.

Nach Rückdatierung der Besteuerung und Diskontierung dieser Ergebnisse - denn es wird Zeit brauchen, bis die Einsparungen umgesetzt sind - teilt man den Betrag durch den Gesamtwert des Unternehmens. Diese Überschlagsrechnung legt nahe, dass der Deal eine Anlagenrendite von rund sechs Prozent abwerfen würde, die damit niedriger ausfallen würde als die Kapitalkosten beider Unternehmen. Nehmen wir an, die Kostensynergien könnten höher liegen, etwa bei 600 Mio. Pfund, dann klettert die Rendite auf über sieben Prozent. Allerdings könnten Synergien bei den Einnahmen - in enger Verbindung mit einer fortgesetzten Verbesserung der operativen Entwicklung von Cadbury - den Abschluss auf dem momentanen Niveau für die Kraft-Eigentümer immer noch bekömmlich gestalten.

Der Haken an der Sache ist, dass die Cadbury-Papiere bereits auf 783 Pence je Aktie gestiegen sind. Und Analysten vertreten die Ansicht, dass die Firma mehr als 1000 Pence je Aktie wert ist. Eine Gegenofferte oder eine anhaltende Neubewertung der Cadbury-Aktien könnten dazu führen, dass der Deal für Kraft einfach zu teuer wird.

Bei der detaillierten Beschreibung der Offerte hat Kraft gute Arbeit geleistet, mit der globalen Reichweite des Unternehmens zu werben und die Vorzüge seines Management-Teams und dessen Können bei der Integration von Zukäufen anzupreisen. Aber wenn sein Werben nicht erhört wird, dann wird sich Kraft mit Fragen darüber auseinander setzen müssen, welche Unzulänglichkeiten in seiner bestehenden Strategie das Unternehmen dazu veranlasst haben, über eine Transaktion nachzudenken, die möglicherweise so kostspielig werden kann.

Kommentare zu " Cadbury-Übernahme: Kraft-Offerte hinterlässt einen faden Beigeschmack"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%