China/Nigeria
Mit Rhodes zum Erfolg?

Der Exportkredit über 50 Mrd. Dollar, den China Nigeria versprochen hat, führt direkt ins Herz der Energiereserven des afrikanischen Landes. Nigeria braucht Infrastruktur, und mit Hilfe einer exportbasierten Kreditvergabe würden solche Projekte vorankommen. Die internationale Strategie Chinas ähnelt eher der von Cecil Rhodes als der von Adam Smith - aber sie funktioniert.

Das Versprechen, Nigeria Exportkredite über 50 Mrd. Dollar zu gewähren, führt China mitten hinein in die Energiereserven des afrikanischen Landes. Nigeria braucht vor allem Infrastruktur, und umfangreiche Kredite aus China würden die Weiterführung von solchen Projekten erlauben. Die nigerianische Bevölkerung und die Regierung sollten sie also gleichermaßen willkommen heißen. Die internationale Strategie Chinas, sich Ölvorkommen in Ländern zu erschließen, mit denen der Westen Schwierigkeiten hat, hat wenig mit einer Globalisierung des freien Markts zu tun, aber sie scheint zu funktionieren.

Nigeria ist notorisch korrupt. Der Ölförderbetrieb im Niger-Delta wird immer wieder von Einheimischen unterbrochen, die der Überzeugung sind, unzureichend an den Öleinnahmen beteiligt zu werden. Es ist ein schwieriger Ort für westliche Unternehmen, um Geschäfte zu machen, denn sie werden durch Antikorruptionsgesetze und Menschenrechtsorganisationen, die sich um die Belange der Einheimischen kümmern, in Schach gehalten. Auch mehr als 50 Jahre nachdem zum ersten Mal Öl im Niger-Delta gefördert worden ist, hat der Rohstoff weder Nigeria zu Wohlstand verholfen noch der Welt eine zuverlässige Quelle für den Nachschub an dem schwarzen Gold erschlossen.

Die chinesischen Erdölgesellschaften allerdings arbeiten an solchen Plätzen effektiv. Da sie der Überwachung durch die Öffentlichkeit weniger stark ausgesetzt sind, können sie sich aggressiver gegen Pipeline-Manipulationen zur Wehr setzen, ohne dass dies zuhause ein Nachspiel hätte. Und die chinesischen Antikorruptionsgesetze greifen im Ausland so gut wie gar nicht. Nigeria braucht dringend eine bessere Infrastruktur. Eine umfangreiche Zuteilung an Exportkrediten – eine Methode der Finanzierung, die praktisch über den Hang Nigerias zum Zahlungsverzug hinwegsieht – überwindet eine hohe Hürde bei der Finanzierung solcher Projekte. Das sollte gut bei der nigerianischen Bevölkerung ankommen und auch bei jenen führenden Vertretern der Regierung, die von großen Investitionen im öffentlichen Sektor profitieren.

Die Strategie Chinas, sich Energie-Ressourcen zu sichern, indem das Land Exklusivabkommen mit unangenehmen Regimes abschließt, hat wenig mit dem Globalisierungsparadigma des freien Handels und des offenen Wettbewerbs zu tun. Eher als den ökonomischen Leitlinien eines Adam Smith ähnelt sie den Methoden des britischen Imperialisten Cecil Rhodes, der Geld und Zwang genutzt hat, um sich einen privilegierten Zugang zu wertvollen Bodenschätzen zu verschaffen. In einer Welt, in der Protektionismus und die Hoffungen auf Autarkie zunehmen, erweist sich diese Vorgehensweise als effektiv.

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