City Talk
Die Aktionäre sollten Protest gegen zu hohe Boni einlegen

Die politisch getriebene Reform der Bankerboni hat große Fortschritte gemacht. Jetzt wird es Zeit, dass die Eigentümer der Banken in die Debatte eingreifen.
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Ins Deutsche übertragen bedeutet das lateinische Adjektiv „bonus“ gut. Aber an das Adjektiv denkt spätestens seit der Finanzkrise keiner mehr, und gut ist auch schon lange nichts mehr. Im Gegenteil, das Substantiv Bonus hat sich zu einem Reizwort entwickelt, das zuverlässig Wut und Empörung bei Politikern und ihren Wählern auslöst. Kein Wunder also, dass auch in diesem Winter die Debatte, ob, wie viel und auf welche Art die Banken Boni an ihre Mitarbeiter ausschütten, für hitzigste Diskussionen sorgt.

Im wichtigsten europäischen Finanzzentrum London fahren die Politiker seit Wochen eine Attacke nach der anderen auf die Geldhäuser. Schließlich hat der konservative Premier David Cameron gerade erst das härteste Sparpaket seit mehr als einer Generation auf den Weg gebracht. Und wenn das Volk bluten muss, sollen die Banker, die den ganzen Schlamassel angerichtet haben, nicht im Champagner baden.

Trotz dieser Argumente mag der Kampf der neuen britischen Koalitionsregierung gegen die Boni auf den ersten Blick wie ein Ringen mit einem bereits geschlagenen Gegner wirken. Schließlich gilt in Europa mittlerweile der weltweit härteste Bonuscode mit strengen Regeln, die Banken und Bankern wirklich wehtun. Außerdem wären die Ausschüttungen in diesem Jahr ohnehin um mindestens 20 Prozent zurückgegangen, weil die Sonderkonjunktur, von der die Investmentbanken nach der Finanzkrise profitiert haben, langsam, aber sicher zu Ende geht.

Aber trotz der Fortschritte bei den Reformen und der Tatsache, dass den Investmentbanken vor allem dank der künftig deutlich schärferen Eigenkapitalregeln in den kommenden Jahren ein harter Ausleseprozess bevorsteht, ist noch lange nicht alles gut mit dem Bonus. Die Experten der Londoner Fachzeitschrift „Financial News“ haben ausgerechnet, dass die Ausschüttungen der Investmentbanken an ihre Mitarbeiter zwischen Anfang 2006 und Herbst 2010 mehr als dreimal so hoch waren wie die Gewinne, die die Geldhäuser für ihre Aktionäre erwirtschafteten. Bonuszahlungen von mehr als 300 Milliarden Dollar stand bei acht der größten Investmentbanken ein geschätzter Nettoprofit von gerade einmal 85 Milliarden Dollar gegenüber. Der Löwenanteil der erwirtschafteten Gewinne fließt also an die Banker und nicht an die Eigentümer der Banken.

Diese Diskrepanz zeigt, dass es in Sachen Boni am Ende nicht nur darauf ankommt, die richtigen Anreize zu setzen und zu verhindern, dass die Banker zu hohe Risiken eingehen, sondern auch auf die absolute Höhe. Die Zahlen beweisen aber vor allem eines: An der Spitze des Protestzuges sollten eigentlich die Aktionäre stehen und nicht die Politiker. Schließlich stellen die Aktionäre nicht nur das Kapital für die Geschäfte der Geldhäuser bereit, sondern sie tragen auch die Risiken für diese Geschäfte. Es wird Zeit, dass sich die Eigentümer etwas intensiver um ihr Eigentum kümmern.

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  • Fuer den besitzer oder grossen Teilhaber einer bank waere es voellig undenkbar, dass er seinen angestellten Managern erlaubt, sein Vermoegen durch kurzfristige Risiken aufs Spiel zu setzen und ihnen dafuer auch noch einen bonus zahlt. Was wir beobachten, hat damit zu tun, dass die Aktionaere zersplittert und weitgehend entrechtet sind. Aufsichtsraete, Vorstaende, Vertreter grosser Kapitalsammelstellen wie Versicherungen und Pensionsfonds und Vertreter der Gewerkschaften (Mitbestimmung) gehoeren alle der gleichen neuen Elite an, die von niemandem kontrolliert werden. Mit aberwitzigen Vertragskonstruktionen saugen einige besonders Skrupellose wie ein Zyklon Vermoegen ab und lassen oft genug ein Truemmerfeld zurueck. Namen wie Utz Claasen, Thomas Middelhof, Klaus Esser veranschaulichen uns wovon ich spreche.

    Politiker wuerden auch gern zur neuen Elite gehoeren und wechseln gern in die Wirtschaft, wo sie dann ihre einzige Kompetenz als Lobbyisten entfalten. Das wuerde uns gerade noch fehlen, dass wir als Aktionaere weitere Rechte an die Politik abtreten muessen. Ausgerechnet an die Politiker, die die bankenkrise nicht nur zugelassen, sondern durch Garantien und Rettungsschirme kraeftig gefoerdert haben.

    @ r.jonasson – Sie haben wohl nie Aktien von Lehmann, Hypo Real Estate oder Commerzbank besessen, sonst wuessten Sie, dass die bonusbanker meistens einen Scherbenhaufen hinterlassen und nicht etwa brosamen fuer Aktionaere.

    Und noch eins: Ein Autobaron wie Ford wuerde niemals zulassen, dass seine angestellten Manager um des Jahresbonus willen seinen technischen Vorsprung an die Chinesen verschenken, nur um ein paar Autos dort absetzen und billig produzieren zu koennen.

    @ Michael Maisch – Sie haben voellig recht, aber Sie sind noch zu zahm. bleiben Sie bitte weiter am Thema!

  • Herr Maisch ist wohl Nostalgiker - behauptet er doch im letzten Satz ernstlich, die Aktionäre (Eigentümer) der banken trügen das unternehmerische Risiko. Das ist jedoch, wie jeder seit 2008 weiß, Geschichte: Die Aktionäre streichen ein, was die bonus-Ritter übrig lassen, während eventuelle Verluste selbst dann vom Steuerzahler getragen werden, wenn sie durch mehr als fahrlässiges Risiko-Verhalten der bonus-banker und völliges Versagen der Aufsichtsräte verursacht wurden. insofern ist es sehr wohl die erste Pflicht der Politiker, den Wahnsinn zu stoppen, da sie sonst ein kleines Problem mit ihren Wählern bekommen, hoffentlich! Etwas Unterstützung von den Aktionären wäre nett, ist aber wohl kaum zu erwarten, wenn man sich die Aktionärs-Struktur der meisten Geldhäuser ansieht - da funktioniert das Krähenprinzip prima... Die politischen Folgen dieser organisierten Verantwortungslosigkeit sind unabsehbar - oder kann noch irgendjemand die Marktwirtschaft argumentativ verteidigen, wenn deren ureigenste Prinzipien von den "geborenen" Protagonisten derselben aus höchst selbstsüchtigen Motiven derart ausgehebelt werden? Sozialisten und Kommunisten aller Länder klatschen vermutlich in die Hände vor lauter Freude über diese unerwartete Hilfestellung. Danke, bonus-banker!

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