City Talk
Falsche Propheten

Propheten gelten ja bekanntlich im eigenen Lande nichts. Deshalb versucht der britische Labour-Premierminister Gordon Brown fast schon verzweifelt, auf internationalem Parkett zu punkten, um die Serie von Pleiten, Pech und Pannen zu Hause wenigstens etwas ausgleichen zu können.

Kurz vor dem Gipfel der 20 größten Industrie- und Schwellenländer in Pittsburgh drängte Premierminister Gordon Brown mit der Idee ins Rampenlicht, die G20 zu einer Weltwirtschaftsregierung auszubauen - und zumindest so ähnlich ist es dann beim großen Klassentreffen der Regierungschefs ja auch gekommen.

Browns Idee ist sicher nicht schlecht, aber auch nach dem Treffen in Pittsburgh bleiben die G20 erst einmal eine Hülle, die noch mit Inhalt zu füllen ist, und das dürfte gar nicht so leicht werden.

Der erste Angriffspunkt einer Weltwirtschaftregierung müssten die internationalen Ungleichgewichte sein, die ganz am Anfang der großen Krise standen, sprich der Konsumhunger der Amerikaner, finanziert durch die Exporterfolge und die Sparlust von Ländern wie China, aber auch Deutschland. Doch dazu war bei den G20 wenig Systematisches zu hören.

Vielleicht noch wichtiger: Früher oder später muss sich die Staatengemeinschaft Gedanken über eine neue Weltwährungsordnung machen. Die alte beruht im Wesentlichen auf der Dominanz des Dollars, doch dieses Prinzip wird sich auf Dauer nicht durchhalten lassen, zumindest wenn die G20 mit ihrer Ankündigung Ernst machen und tatsächlich ein besser ausbalanciertes Wachtumsmodell für die Weltwirtschaft schaffen wollen.

Die Probleme sind nicht neu. Tatsächlich taucht das Wort "Ungleichgewichte" schon seit vielen Jahren in schöner Regelmäßigkeit in allen Berichten des Internationalen Währungsfonds und in allen Kommuniqués der G7-Gruppe, dem alten Machtzentrum der Weltwirtschaft, auf.

Ob Brown sich in einer stillen Stunde manchmal fragt, ob seine neue Weltwirtschaftsregierung wirklich in der Lage sein wird, Probleme zu lösen, an denen die alten internationalen Institutionen und Gremien so lange scheiterten? Und das, obwohl IWF und G7 über seit vielen Jahrzehnten erprobte Verhandlungs- und Konfliktlösungsmechanismen verfügen - Rituale und Verfahren, die die G20-Gruppe erst mühsam etablieren muss?

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%