City Talk
Rückfall in alte Sünden

Hurra, die Krise ist vorbei. In immer mehr Ländern entdecken die Konjunkturforscher die inzwischen fast schon sprichwörtlichen grünen Sprossen der Erholung, und tatsächlich sieht es so aus, als würde sich die weltweite Rezession allmählich ihrem Ende nähern. Doch was haben Banken, Regulierer und Politiker nun aus der Krise gelernt?

Derzeit wird vor allem auf politischer Ebene um die Lehren aus der Krise gerungen, die Europäische Union hatte mit ihren Projekten zur Neuordnung der Finanzlandschaft bislang kein allzu glückliches Händchen. Die Vorschläge zur Regulierung von Banken, Hedge-Fonds und Beteiligungsgesellschaften schwanken zwischen zu zaghaft und zu dirigistisch. Aber immerhin versuchen die Politiker mit einem pragmatischen Programm die Krisenprävention voranzutreiben.

Blickt man auf die Banken, dann sieht das schon etwas anders aus. Gut, die überfällige Reform der Entlohnungssysteme ist eingeleitet, und viele Institute haben den riskanten Handel auf eigene Rechnung massiv zurückgefahren. Aber seit sich das Investment-Banking im ersten Quartal deutlich erhöht hat, ist auch ein Rückfall in alte Sünden zu beobachten. Schon werden wieder enorme Ablösesummen für wechselwillige Investmentbanker bezahlt, und selbst die verpönten Garantieboni, die unabhängig von der Leistung der angeworbenen Mitarbeiter ausbezahlt werden, feiern fröhliche Urständ. Das alles sieht ein bisschen nach simplem "Weiter so!" aus.

Dabei kann es keinen Zweifel geben, dass die Banker die Probleme richtig erkannt haben. Die große Frage lautet aber, werden sie auch den Mut aufbringen, teure und schmerzhafte Reformen in die Tat umzusetzen?

Der britische Versicherungsbroker Marsh hat jetzt eine Untersuchung veröffentlicht, die zeigt, dass es tatsächlich eine Schere zwischen Erkenntnis und Handeln zu geben scheint. Rund 90 Prozent aller Bankmanager sind der Meinung, dass die Bedeutung des Risikomanagements in der Krise zugenommen hat, aber nur die Hälfte der Geldhäuser hat auch das Budget zum Ausbau der Risikosysteme aufgestockt. Dabei ist inzwischen völlig unstrittig, dass die Krise nicht nur dadurch verschärft wurde, dass die meisten Banken die gleichen Risiken in ihren Büchern hatten, sondern auch dadurch, dass die meisten Risikosysteme nach dem selben Schema F funktionierten.

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