City Talk
Sex, Drogen und Boni

Was der rekordverdächtig hohe Kokain-Konsum in Großbritannien mit dem Zustand des Finanzzentrums London zu tun hat.

Jetzt ist es amtlich: Nirgendwo in Europa wird soviel Kokain geschnupft wie in Großbritannien. Das nationale Statistikbüro der Insel hat festgestellt, dass der Konsum der Droge im vergangenen Jahr um ein Viertel gestiegen ist.

Das ist zunächst einmal natürlich eine gefährliche und bedrückende Entwicklung. Aber man könnte auch versuchen, den Kokainverbrauch als Indikator für den Zustand des Finanzzentrums London heranzuziehen. Da sich in Großbritannien alles in London konzentriert, dürfte das auch für den Genuss illegaler Substanzen gelten. Und da Kokain nach wie vor als teure Luxusdroge eingestuft werden muss, kann man davon ausgehen, dass es in London noch immer genug gut betuchte Menschen gibt, die ihrem Dealer größere Summen für ein paar Gramm des weißen Pulvers in die Hand drücken können.

Neben Popstars und sonstigen Medienschaffenden gehören die Schönen, Jungen und Reichen der Finanzindustrie traditionell zu den besseren Kunden der Drogenhändler. So schlecht kann es den Bankern also trotz Finanzkrise und drastisch zusammengestrichener Boni gar nicht gehen, sonst hätten sie doch sicher ihren Drogenkonsum eingeschränkt.

Oder gehorcht die Nachfrage nach Kokain ganz anderen Gesetzen? Vielleicht steigt der Rauschgiftverbrauch ja gerade weil die Krise viel schlimmer ist, als alle glauben. Vielleicht geben die Banker nur mehr Geld für Drogen aus, weil sie sonst ihr trübes Dasein überhaupt nicht mehr ertragen würden. Oder treiben sogar Schuldkomplexe die Finanzmanager in die Drogensucht?

Eindeutige Aussagen über den Zustand der britischen Finanzindustrie lassen sich aus der erschreckenden Kokain-Statistik wohl doch nicht ziehen. Außer einer: Die Banken selbst werden den Anstieg des Drogenkonsums überhaupt nicht lustig finden. Versuchen sie doch nach den Exzessen der Vergangenheit mit aller Macht, ihre Branche vom Ruch der Verderbtheit zu befreien. Mit dem schillernden Image von Sex , Drogen und millionenschweren Boni soll es ein für allemal vorbei sein. Stattdessen würden die Banken ihre Angestellten viel lieber als hart arbeitende bodenständige Bürger präsentieren. Was auf die Mehrheit der mehr als 300 000 Menschen, die in der Londoner Finanzbranche ihr Brot verdienen sogar zutrifft.

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