Kolumnen
Das Geschäft mit dem Tod

Es ist ein kleiner, sehr spezieller Markt. Aber immerhin bietet auch die Deutsche Bank entsprechende Produkte an: Fonds, die amerikanische Risikolebensversicherungen kaufen. Es ist ein Geschäft mit dem Tod.

Es ist ein kleiner, sehr spezieller Markt. Aber immerhin bietet auch die Deutsche Bank entsprechende Produkte an: Fonds, die amerikanische Risikolebensversicherungen kaufen.

Es ist ein Geschäft mit dem Tod. Schwer kranke Amerikaner, häufig Aids-Infizierte, verkaufen ihre Risikopolice, die erst bei ihrem Tod ausbezahlt wird. So haben sie in ihren letzten Jahren oder Monaten noch etwas von dem Geld. Das hat durchaus seinen Sinn.

Aber es hat auch seinen merkwürdigen Geruch. Die Fonds kaufen diese Policen auf - natürlich mit Abschlag. Dieser Abschlag ist ihr Gewinn, an dem die Fondsanleger teilhaben. Aus Investorensicht hat die Sache ihren Reiz: Diese Fonds stellen eine völlig eigene Asset-Klasse dar, die unabhängig von Zinsen und Börsen ist. So etwas stabilisiert jedes Depot.

Im einzelnen ist natürlich für den Anleger überhaupt nicht durchschaubar, ob der Fonds gut kalkuliert hat. Und sein Risiko ist, dass die Verkäufer der Policen länger leben als prognostiziert - in dem Punkt wird das Produkt makaber. Das größte Risiko für den Anleger wäre die Entdeckung eines neuen, wirklich guten Medikamentes gegen Aids.

Andererseits: So lange der Anleger die Verkäufer der Policen nicht kennt und auf ihr Schicksal keinerlei Einfluss hat, hält sich das moralische Problem in Grenzen. Es gibt Geschäfte mit dem Tod, die eine lange Tradition haben und eigentlich noch problematischer sind: Der Kauf von Häusern gegen Leibrente. Früher war dies eine durchaus übliche Form, den Lebensabend mit einer Rente abzusichern. Der Käufer kann dann nur hoffen, dass der Verkäufer - in diesem Fall vielleicht sogar sein Nachbar - möglichst schnell stirbt. Es gibt eine Kurzgeschichte von Josef Reding, die die zwiespältigen Gefühle beim Abschluss solcher Verträge sehr schön beschreibt. Und vor einiger Zeit gab es das Beispiel einer Französin, die 122 Jahre alt wurde. Rund ein halbes Jahrhundert vorher hatte sie eine Leibrente erworben - und die wurde am Ende längst von den Erben des früh eren Vertragspartners bezahlt....

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