Deflationsgefahr
EZB sollte die Zinsen weiter senken

Nachdem die Euro-Zinsen wieder in der Nähe ihrer Allzeit-Tiefs lagen, deutete Zentralbankchef Jean-Claude Trichet an, erst mal eine Zinssenkungspause einlegen zu wollen. Aber die Inflation im Euroraum ist inzwischen stark gesunken und die monetären Statistiken zeigen rückläufige Kreditvergaben und sinkende Geldmengen. Die EZB täte also gut daran, die Zinsen in dieser Woche weiter zu senken.

Die meisten Marktbeobachter gehen davon aus, dass die Europäische Zentralbank in dieser Woche eine Verschnaufpause bei den Zinssenkungen einlegen wird. Nachdem sie den Leitzins im Januar um einen halben Prozentpunkt auf 2 Prozent zurücknahm, kündigte EZB-Präsident Jean-Claude Trichet an, dass das nächste "wichtige Rendevouz" der Führungsspitze im März zu erwarten sei. Aber die düsteren Geld- und Kreditdaten der vergangenen Woche könnten die EZB aus ihrer Lethargie reißen.

Die Inflationsrate, die noch im Juli die Rekordhöhe von 4 Prozent erreichte, droht in den kommenden Monaten mit einiger Sicherheit zur Deflation zu werden. Das Inflationsziel der Zentralbank liegt knapp unter 2 Prozent, die Preisniveausteigerungsrate lag jedoch nach der ersten Schätzung der Europastatistiker im Januar bei nur noch 1,1 Prozent. Der Rutsch spiegelt sowohl den abrupten Fall der Öl- und anderer Rohstoffpreise als auch den beispiellosen Rückgang von Verbrauchervertrauen und Industrieproduktion in den letzten Monaten.

Die Geld- und Kreditdaten signalisieren eine beunruhigende Fortsetzung der Schwächephase über das erste Halbjahr 2009. Die weitgefasste Geldmenge M3 schrumpfte im November und Dezember, obwohl die Zentralbank alle Anstrengungen unternahm die Liquiditätsversorgung zu erhöhen und den Banken unter die Arme zu greifen. Die Ausleihungen an Unternehmen außerhalb des Bankensektors waren, absolut gemessen, im Dezember rückläufig. Das gleiche gilt für Konsumentenkredite im November und Dezember.

Kreditklemme und Deflationstendenzen haben die Eurozone eisern im Griff. Noch wächst M3 pro Jahr mit 7,3 Prozent und damit schneller als die EZB einst konservativ, aber vergeblich mit 4,5 Prozent anstrebte. Aber das Tempo, mit dem das Geldangebot jetzt sinkt, lässt vermuten, dass die Haushalte und Unternehmen der Eurozone kaum noch Kreditgeber finden.

Deflation macht die Aufgabe für die Notenbanker noch schwieriger. Die Inflation kann negativ werden, die Zinsen der Zentralbanker können das nicht. Der Realwert der Kredite steigt, wenn die Preise und noch schlimmer die Einkommen sinken. Darum streben die Währungshüter eine geringe, aber positive Inflationsrate an.

Die Eurozinsen müssen also am Donnerstag gesenkt werden. Die europäische Multistaatendynamik lässt der EZB weniger Spielraum als der US-Federal-Reserve, der Wirtschaft mit unkonventionellen politischen Aktionen an die Seite zu springen. Das heißt, die EZB muss ihr konventionelles Zinsinstrument aggressiver einsetzen. Traurig nur, dass die Einsicht sich keine monetäre Verschnaufpause leisten zu können, wenn Deflation droht, bei der EZB nur langsam durchdringt.

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