Deutsche Bank
Ackermanns schwieriges Erbe

Bevor der neue Vertrag von Josef Ackermann als Chef der Deutschen Bank 2013 ausläuft, kann noch viel passieren. Doch vom jetzigen Stand aus gesehen, wird die Bank einen Insider mit Expertise im Investment Banking als seinen Nachfolger installieren wollen.
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Josef Ackermann kann nicht ewig bei der Deutschen Bank bleiben. Der Vorstandsvorsitzende des Instituts wollte eigentlich 2010 gehen, doch der Vorstand konnte sich auf keinen Nachfolger einigen. Deshalb hat der Chef aus der Schweiz seinen Vertrag vor kurzem für weitere drei Jahre verlängert. Damit könnte ein mit spitzen Ellbogen geführtes Gerangel um die Spitzenposition einstweilen hinausgezögert werden. Doch es ist nie zu früh, um mit dem Planen zu beginnen, wie der jüngste Schlamassel des Führungsgremiums gezeigt hat.

Ackermanns Amtszeit geht 2013 zu Ende, auch wenn er willens, ja vielleicht sogar erpicht darauf wäre, früher zu gehen. Wann auch immer Ackermann geht, wird der Vorstand drei hauptsächliche Erwägungen für seine Nachfolge heranziehen und prüfen.

Zunächst einmal wird die Deutsche Bank einen Insider vorziehen, um ihre Position als erfolgreiches Institut mit einer soliden Strategie zu behaupten. Die Wahl eines Außenstehenden könnte nach einer Verzweiflungstat aussehen oder einen Richtungswechsel nahe legen.

Zweitens wird der Spitzenmann natürlich am ehesten in der Investmentbank zu finden sein. Sie ist die Quelle des Großteils der Einnahmen und Gewinne der Deutschen Bank. In der Welt nach der Krise würde es an Verantwortungslosigkeit grenzen, einen Vorstandsvorsitzenden zu wählen, der sich mit derart komplexen Geschäften nicht auskennt.

Diese beiden Kriterien deuten direkt auf Anshu Jain und Michael Cohrs hin, die Co-Leiter der Investmentbank. Bis die Krise zuschlug, verlieh der große Erfolg im Handel Jain, der diese Seite des Geschäfts betreut, einen Vorsprung gegenüber dem älteren Cohrs, der für die traditionelleren Aspekte der Corporate Finance zuständig ist.

Aber als dann der Zeitpunkt der Wahl gekommen war, machten die Verluste es zum Kinderspiel, Argumente gegen Jain zu sammeln. Es wurde zudem immer schwieriger, über die mangelnde Erfahrung des Inders mit der deutschen Kultur, der Politik und der Sprache hinwegzusehen. Diese Lücken teilt auch der Amerikaner Cohrs.

Und der Aspekt der Affinität zum Deutschen wird fast sicher als dritter Punkt auf der Wunschliste für den Nachfolger des nationalen Bankenprimus vermerkt sein. Dies könnte die Chance für Rainer Neske sein, den Leiter des Private Banking, der einen schnellen Aufstieg hingelegt hat. Und Hugo Bänziger, den Risiko-Chef der Deutschen Bank, umgibt der Nimbus, eine verkleinerte Ausgabe von Ackermann selbst zu sein, denn auch er ist Schweizer und hatte bei Credit Suisse gedient. So war es zwar nicht schwer, die Wahl von Jain auszuschlagen, doch die Referenzen dieser beiden Männer haben den Vorstand anscheinend auch nicht umstimmen können.

Es kann noch viel passieren, bis Ackermann seinen Hut nimmt. Jeder der in Frage kommenden Spitzenmanager könnte straucheln. Doch die Verschiebung der Nachfolge könnte Jain auch wiederum Zeit geben, um an seinen Schwächen zu arbeiten. Sein Aufstieg in den Vorstand könnte ihm die Gelegenheit eröffnen, sich die Bedenken der Arbeitnehmerseite anzuhören und sich einen größeren Einblick in die Tätigkeit der Bank in Deutschland zu verschaffen.

Wenn die Investmentbank darüber hinaus wieder wachsen und gedeihen kann - und erste Anzeichen weisen darauf hin, dass Jains Zuständigkeitsbereich die Speerspitze der Erholung bei dem Institut bilden wird -, dann würde es altmodisch erscheinen, wenn der Sprache und Kultur Vorrang vor dem geschäftlichen Erfolg eingeräumt wird. Wie es aussieht, liegt es ganz an Jain selbst, ob er gewinnt oder verliert.

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