Die Welt im Dollar-Wahn
Auf der Spur des frischen Geldes

Die US-Notenbank druckt Geld. Ihre Regierung verprasst es, um ein Konjunkturtief zu verhindern. Klingt nach einem Patentrezept für den Zusammenbruch der Währung. Und doch legt der Dollar zu, so wie es aussieht, auch weiterhin. Was ist da los? Ein Blick auf die Konkurrenz hilft.
  • 0

Die US-Notenbank druckt Geld. Ihre Regierung verprasst es, um eine Konjunkturtief zu verhindern. Klingt nach einem Patentrezept für den Zusammenbruch der Währung. Und doch legt der Dollar zu, so wie es aussieht, auch weiterhin. Was ist da los? Ein Blick auf die Konkurrenz hilft.

Mit 1,38 Dollar ist das Pfund, die ehemalige Reservewährung, knapp ein Jahr nach seinem 25-Jahres-Hoch so billig wie seit 20 Jahren nicht mehr. Der Grund? Riesige Auslandsverbindlichkeiten der Banken und eine verschuldete Regierung, die den Großteil der Risiken des Bankensektors übernimmt. Zudem stockt die Bank of England ihre Sterling-Assets um 75 Mrd. an druckfrischen Noten auf. Wer will sie? Ausländische Investoren sicher nicht.

Nach seinem Sommer-Höhenflug folgt nun die unsanfte Landung des Euro. Das Wachstum der Eurozone dümpelt. Ihre Banken kränkeln. Man fragt sich, wie Portugal, Irland, Spanien und Griechenland vor dem größten Unglück bewahrt werden können. Ganz zu schweigen von Belgien, Italien und Österreich, deren Banken vom osteuropäischen Wirtschaftskollaps am stärksten betroffen sind.

Und Japans Exporte? Im Januar um 46 Prozent zum Vorjahr gesunken. Der letztjährige Yen-Anstieg teilweise technisch verursacht. Japanische Short-Strategien gehörten zum Mantra der Hedge Funds. Dann musste man die riskanten Yen-Shorts fallen lassen und in Deckung gehen. Jetzt ist der Blick auf Japans Wirtschaftsfundament frei: kein schöner Anblick. Exporte trudeln, die Rezession ist im Gange.

Auch in den USA steht es schlecht um die "fundamentals", das grundlegende Verhältnis zwischen Angebot und Nachfrage. Die Politik ist voller Aktionismus. Man bietet hohe Summen auf die Wachstums-Wette. Anstatt Alternativen zu prüfen, bietet die Welt derzeit mit und kauft der US-Regierung Unmengen an Schatzbriefen ab. Die Reservewährung wird sich nach vorn drängeln. Solange der Rest der Welt nicht umdenkt, wird die US-Wette nicht aufgehen.

Kommentare zu " Die Welt im Dollar-Wahn: Auf der Spur des frischen Geldes"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%