Doppelspitzen
Aus eins mach zwei

Banker behaupten gerne, dass eins plus eins drei ergibt. Andererseits kommt es bei Investmentbanken vor, dass eins plus eins nur eins ergibt. Innerhalb weniger Wochen ersetzten Morgan Stanley, Credit Suisse und UBS ihre jeweiligen Asien-Bosse durch Führungsduos. Da wirkt es fast altmodisch, wenn Goldman Sachs den scheidenden Co-Head seines M&A-Geschäfts nicht ersetzt.
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Im Investmentbanking genießen Führungsduos einen guten Ruf. Die Doppelspitzen geben den Kunden das sichere Gefühl, beim Weggang eines Spitzenmanagers gegen zu große Verluste gefeit zu sein. Als Matthew Ginsberg im Juni Morgan Stanley in Richtung Barclays Capital verließ, kompensierte die Rekrutierung zweier Nachfolger diesen Abgang für die Kunden. Und ebenso wenig litt man bei UBS unter Rob Rankings Abtauchen in Richtung Deutsche Bank Asien.

Manche Märkte eignen sich für Führungsduos besser, als andere - insbesondere riesige Gebiete wie Asien. Zusätzliche Hände erleichtern die Last, sobald Manager mehr Zeit im Flugzeug, als am Boden verbringen.

Ein Vorteil ist es zudem, wenn beide Seiten verschiedene Begabungen mitbringen. Bei Goldman Sachs hatte man dafür bislang ein gutes Gespür. Man denke nur an Richard Gnodde und Michael Sherwood, Goldmans diametral verschiedene Europa-Bosse. Während Gnodde den erfolgreichen Anzugträger gibt, brilliert Sherwood als hemdsärmeliges Trading-Ass. Und Goldmans Effektenabteilung leistet sich nicht weniger als vier Co-Heads!

Dennoch sind Doppelspitzen oft ein reiner Vorwand, um abgelehnte Führungskräfte vom Kündigen abzuhalten. Es würde niemanden verwundern, fänden sich einige der kürzlich ernannten Asien-Bosse auf denselben Auswahllisten wie diejenigen, die sie nun ersetzen.

Manchmal lohnt sich das Aufstocken, doch es braucht Feingefühl, damit sich die Partner nicht auf die Füße treten. Diese Spannungen häufen sich in schwierigen Zeiten. Angesichts des geschrumpften M&A-Markts liegt Goldman mit seinem Einzelkämpfer vielleicht gerade richtig. Geht es wirtschaftlich Lage weiter bergab, werden Credit Suisse, UBS und Morgan Stanley merken, dass zwei Köpfe bisweilen recht kopflos agieren.

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