Einschussforderungen
Rohöl wirft Blasen

Rohstoffspekulanten können durch den Einsatz von Fremdkapital eine große Hebelwirkung erzielen, weil die Einschusszahlungen an den Terminmärkten niedrig sind. Auch deswegen sind die Rohölpreise derart gestiegen. Das System mit Terminkontrakten könnte aber Probleme bereiten, wenn die Nachfrage nach Rohöl schnell fällt.

Was steckt hinter dem jüngsten Anstieg der Rohölpreise? Ein Faktor könnten die niedrigen Einschusszahlungen bei Rohöl-Terminkontrakten sein. Sie erlauben es den Rohstoffspekulanten, ihre Wetten himmelhoch mit Fremdkapital zu befrachten. Sie legen gerade einmal ein paar Dollar für das Barrel hin und können den Markt bewegen. Die Terminbörsen haben jüngst die Einschussforderungen angehoben, um das Fieber zu dämpfen. Aber sie liegen immer noch weit niedriger als etwa bei Aktien. Und da die Kursausschläge zunehmen, wird immer mehr heißes Geld in Rohöl gespült. Der nur dürftige Schutz, den die niedrigen Einschüsse gewähren, könnte für die Börsen und Makler gefährlich werden, wenn die Rohölpreise absacken.

Die Händler sind permanent auf der Suche nach Möglichkeiten, ihr Kapital zu dehnen. Um etwa im Energiesektor mitzuspielen, könnte man eine Aktie des Erdölgiganten Exxon Mobil kaufen. Aber dazu müsste man mindestens die vorgeschriebene Einschusszahlung von 50 Prozent leisten. Wenn man allerdings direkt auf Rohöl setzen will, dann könnte man einen Terminkontrakt auf Nymex-Öl im Wert von fast 100 000 Dollar kaufen und müsste dafür nur 6 000 Dollar hinblättern.

Das erscheint vor allem zum gegenwärtigen Zeitpunkt attraktiv, denn der Kreditengpass hat vielen Fonds den Zugang zur Aufnahme von Fremdkapital versperrt. Und die Börsen haben durch enorm gestiegene Handelsumsätze hohe Gewinne eingefahren. An der Nymex wurde im Oktober mit einem Zuwachs um 30 Prozent gegenüber Vorjahr ein Rekordumsatz verzeichnet.

Aber das ganze spekulative Geld führt dazu, dass die Kursausschläge zunehmen. Und die Position der Börse als Gegenpartei für jeden Handelsabschluss ist riskanter geworden. Also hat die Nymex ihre Einschussforderungen erhöht, um sich gegen Ausfälle abzusichern. Allerdings zwingt die Terminbörse immer noch lediglich Broker wie JP Morgan, Calyon und MF Global dazu, ihren ölvernarrten Kunden rund acht Prozent des Kontraktwerts in Rechnung zu stellen.

Falls der Ölpreis plötzlich einbrechen sollte, könnte ein Riss durch das System gehen. Händler, die es erwischt und die mit nur einem kleinen Anteil ihres eigenen Kapitals an dem Spiel beteiligt sind, könnten sich aus den Kontrakten verabschieden. Das würde ihre Makler treffen und schließlich die Börse und ihre Clearingstelle. Das Vertrauen wäre angeknackst. Natürlich dürfen die Terminbörsen, anders als die staatlich regulierten Aktienmärkte, ihre Einschussforderungen selbst festsetzen. Aber trotz der Gewinne, die sie aufgrund des fieberhaften Handels einstreichen, wäre es vielleicht klug, einen größeren Einschuss für mögliche Irrtümer zu fordern.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%