Electronic Arts
Zeit, die Wichtelmänner umzuleiten

Electronic Arts sieht einer weiteren düsteren Weihnacht entgegen. Dem US-Videospielhersteller fehlen die Hits, die Verkaufssaison war deshalb in den vergangenen Jahren schon mehrfach enttäuschend verlaufen. Erschwerend kommt hinzu, dass technologische Verlagerungen die Einnahmen der Firma gefährden könnten. Neue Spiele lassen sich auch im kommenden Jahr noch verkaufen, eine Lösung für die Vertriebswege zu ersinnen, könnte länger dauern.
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Electronic Arts (EA) sieht einer weiteren freudlosen Weihnacht entgegen. Dem US-Videospielhersteller fehlen die Hits, die Verkaufssaison war deshalb in den vergangenen Jahren schon mehrfach enttäuschend verlaufen. Erschwerend kommt hinzu, dass technologische Verlagerungen die Einnahmen der Firma gefährden könnten. Seit 2006 sieht es äußerst düster aus für die Investoren von EA: In den vergangenen drei Geschäftsjahren ist ein Betriebsverlust von zusammen mehr als einer Mrd. Dollar aufgelaufen.

Analysten gehen für dieses Jahr von einem Betriebsgewinn von 400 Mill. Dollar aus. Doch da ist wohl viel Optimismus mit im Spiel. Die Branchenumsätze sind bisher in diesem Jahr nach Angaben von NPD um zwölf Prozent gefallen. Angesichts der schwachen Wirtschaftslage und eines wahrscheinlichen Mega-Erfolgs, den der Konkurrent Activison Blizzard mit dem aktuellen Teil der Taktikspielserie "Call of Duty" landen könnte, kann sich EA wahrscheinlich glücklich schätzen, wenn die Firma einen Verlust vermeiden kann.

Der Computerspielanbieter leidet zweifellos unter seinem wenig inspirierenden Portfolio an Spielen, doch es gibt noch weitere Faktoren, die zu seiner misslichen Lage beitragen. Die Schwierigkeiten von EA fielen mit dem Aufstieg der Wii-Spielekonsole von Nintendo zusammen. Das Unternehmen war nicht in der Lage, Kapital aus dem Erfolg der bunten und billigen Spielplattform zu schlagen. Und jetzt weitet sich dieser Trend aus und es ist noch nicht klar, ob das Unternehmen nicht auch diesmal wieder den Anschluss verpasst.

Anstatt nur vorgefertigte Software zu 60 Dollar pro Stück zu verkaufen, geht die Tendenz hin zu Abonnements, für die der Spieler nicht erst einmal tief in die Tasche greifen muss, um loslegen zu können. Manche Abos sind anfänglich gar kostenlos, der Spieler muss allerdings dann für "virtuelle Güter" oder Punkte zahlen, um im Spiel die nächste Stufe zu erreichen.

Das muss nicht notwendigerweise bedeuten, dass der alte Standard hoffnungslos überholt ist. Doch das schnelle Wachstum legt nahe, dass die Spieler das neue Modell anscheinend vorziehen. Daher hat EA gerade 300 Mill. Dollar für das soziale Netzwerk Playfish ausgegeben - was nach Angaben des Unternehmens dem bis zu Vierfachen der für 2011 geschätzten Einnahmen entspricht - , während die Firma gleichzeitig 900 ihrer eigenen Spielentwickler entlässt.

EA geht davon aus, in diesem Geschäftsjahr rund 500 Mill. Dollar an Einnahmen aus diesen neuen Geschäftsbereichen zu erzielen. Allerdings sei der Absatz an vorgefertigter Software, deren Einnahmen sieben Mal so groß sind, rückläufig. Da das Unternehmen zum 16fachen der eher optimistisch aussehenden geschätzten Ergebnisse des kommenden Geschäftsjahrs gehandelt wird, wetten die Investoren darauf, dass EA in der nächsten Saison einige neue Hit-Spiele herausbringen wird. Das Problem ist, dass EA einen Weg finden muss, die Kunden dazu zu bringen, für die auch zu zahlen.

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