Pamela Reif

Expertenrat – Pamela Reif
Stark ist das neue dünn

Lange Zeit mussten Frauen dünn sein wie die Models auf dem Laufsteg. Doch seit Kurzem gibt es ein neues Schönheitsideal, das eigentlich keins sein soll: „Strong is the new skinny.“ Was steckt hinter dem Trend?
  • 1

Die meisten Leute haben das neue Motto, das vor allem von der Fitness-Community vertreten wird, schon einmal gehört: „Strong is the new skinny“. Egal ob bei Männern oder Frauen – es gilt: fit, muskulös und besonders „stark“ sein ist in. Ich selbst trainiere seit ein paar Jahren vier bis fünf Mal pro Woche und arbeite bei jeder Einheit daran, stärker zu werden. Mein vor Kurzem veröffentlichtes Buch trägt den Titel „Strong & Beautiful“ – und genau das möchte ich vermitteln: Stark sein ist etwas Positives, keine Frau sollte Angst vor „zu vielen Muskeln“ zu haben. Trotzdem verbinden viele mit dem Trend eine negative Entwicklung. Warum ist das so?

Lange bestand das allgemeine Schönheitsideal darin, möglichst dünn also „skinny“ zu sein. Frauen wollten den Supermodels nacheifern, und das hieß: Size Zero – je dünner, desto besser. Dieser Trend wurde in den vergangenen Jahren von einem anderen abgelöst: Inzwischen ist es in, auch als Frau, sportlich, muskulös und eben „strong“ zu sein. Sportlich aktiv zu sein, sich stark zu fühlen, gut und gesund zu essen, sich nicht mehr runterhungern zu müssen – das alles möchte „Strong is the new skinny“ hervorheben.

Für mich persönlich ist dieser Trend zunächst einmal positiv, steht er doch für eine gesündere Lebensweise. Wer ihm folgt, der wird sich zwangsläufig mit einem aktiveren Lebensstil und gesünderer Ernährung auseinandersetzen. Anstatt sich auf eine bestimmte Kleidergröße runterzuhungern, wie es noch vor ein paar Jahren Normalität war, gilt es heute, dem Körper gute, vollwertige Nahrung zuzufügen, um die sportlichen Ziele zu erreichen. Wer kann daran etwas Schlechtes finden? Eine bewusste Ernährung gepaart mit sportlicher Betätigung tut dem Körper und der Gesundheit nachweislich gut und erhöht die Lebensqualität. Auch das eigene Körpergefühl und das Selbstbewusstsein können durch regelmäßigen Sport und die sichtbaren Fortschritte, die damit erzielt werden, gestärkt werden. Kurz gesagt: Viele Frauen fahren mit einem solchen Lebensstil besser und sind glücklicher.

Kein gesellschaftlicher Druck

Der Haken an der Sache und wahrscheinlich das Argument, das am häufigsten gegen „Strong is the new skinny“ zu Felde geführt wird, ist, dass das frühere Idealbild der schlanken Frau mit einem möglichst geringen Körperfettanteil lediglich durch ein anderes Idealbild ersetzt wurde und das ebenso einen gewissen gesellschaftlichen Druck ausübt. Doch genau das soll damit nicht passieren. „Strong is the new skinny“ soll kein neues Ideal darstellen, dem jede Frau nacheifern muss, um sich wertvoll und attraktiv zu fühlen. Ich bin eine absolute Befürworterin davon, dass jeder Mensch so lebt, wie er oder sie sich wohlfühlt. Für manche ist regelmäßiges Training und gesunde Ernährung der richtige Weg zu einem glücklichen Lebensstil, Zufriedenheit und Selbstbewusstsein – aber eben nicht für alle. Wenn jemand lieber keinen Sport macht und ein paar Kilo mehr wiegt, sich aber wohl in seiner Haut fühlt und glücklich ist, dann ist das genauso in Ordnung. Niemand sollte aufgrund seiner Lebensweise verurteilt werden – wichtig ist letztendlich nur, mit sich selbst im Reinen zu sein.

Außerdem: „Strong“ bzw. stark zu sein, muss nicht für jeden das Gleiche bedeuten. Es muss nicht heißen, einen Sixpack zu haben oder ein bestimmtes Gewicht stemmen zu können. Stark zu sein, kann auch bedeuten, nach jeder Trainingseinheit zu spüren, dass man mehr Ausdauer und Kraft hat. Es kann bedeuten, als Frau plötzlich keine Angst mehr vor dem Freihantelbereich im Fitnessstudio zu haben, wo sonst fast nur Männer sind. Und es kann bedeuten, sich plötzlich auf eine neue Art und Weise im eigenen Körper wohlzufühlen. Das ist das positive Potenzial, das ein Trend wie „Strong is the new skinny“ mit sich bringen kann. Die Idee dahinter soll nicht sein, Frauen zu sagen, wie sie aussehen müssen, sondern soll vielmehr zeigen, dass es etwas Schönes ist, sich gut und stark im eigenen Körper zu fühlen – äußerlich sowie innerlich und ganz unabhängig von einem allgemeinen Schönheitsideal. Wie dieses Gefühl letztendlich erreicht wird, ist jedem selbst überlassen.

Für mich persönlich ist Sport der Weg, den ich gewählt habe, um mich rundum wohl in meinem Körper zu fühlen. Ich mag das Selbstbewusstsein, das sich dadurch bei mir entwickelt hat, das Gefühl, fit und stark zu sein und Muskeln aufzubauen. Und das möchte ich Frauen mitgeben: dass dieses Gefühl von Zufriedenheit und Selbstbewusstsein durch Sport erreicht werden kann. Aber auch mein Weg ist nur einer von vielen. Trotzdem finde ich es gut, dass durch Trends wie „Strong is the new skinny“ vielen Frauen ein positiverer Umgang mit dem eigenen Körper näher gebracht wurde – und damit womöglich ein besseres Leben geschenkt wurde.

Pamela Reif, 21, ist Social-Media-Influencerin, Autorin und Unternehmerin. Ihre Hobbys Fitness, Mode und Beauty hat sie zum Beruf gemacht und teilt ihre Leidenschaft täglich mit ihrer Online-Community, zum Beispiel auf Instagram.

Pamela Reif
Pamela Reif
Influencerin / Social Media

Kommentare zu " Expertenrat – Pamela Reif: Stark ist das neue dünn"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • In unseren Krankenhäusern messen wir den Erfolg von Mitarbeitern, daraus kann man ableiten,
    dass sportliche Damen nicht besonders gefragt sind.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%