Fed/EZB
Die Wege trennen sich

Allem Anschein nach steht die amerikanische Federal Reserve vor der nächsten Zinssenkung. Die Europäische Notenbank ist von einem solchen Schritt noch weit entfernt. Die Anleger scheint die unterschiedliche Politik aber offensichtlich kalt zu lassen.

Allem Anschein nach steht die amerikanische Federal Reserve vor der nächsten Zinssenkung. Die Europäische Notenbank ist von einem solchen Schritt noch weit entfernt. Die Anleger scheint die unterschiedliche Politik aber offensichtlich kalt zu lassen.

Auf der amerikanischen Seite zeigt sich der Terminmarkt so gut wie sicher, dass der Zins für Overnight-Kredite bei der nächsten Zentralbankratssitzung in der kommenden Woche um einen Viertel Prozentpunkt gekürzt werden wird – auf dann 4,5 Prozent. Die Bewegung der Futures steht im Einklang mit Äußerungen von stimmberechtigten Notenbankmitgliedern, die die wirtschaftlichen Herausforderungen in den Vereinigten Staaten hervorheben, aber gleichzeitig betonen, die Inflationsrisiken auf ein Minimum begrenzen zu wollen.

Verhält sich die Fed wie erwartet, dann hat sie den kurzfristigen Zins seit Beginn der Kapitalmarktprobleme im August um insgesamt 75 Basispunkte gekappt. Im Vergleich agiert die EZB wesentlich vorsichtiger. Sie hat sich bisher nur durchgerungen, eine bereits geplante Zinsanhebung um 25 Basispunkte zu verschieben. Die Notenbanker der Eurozone, vor allem ihre deutschen Vertreter, scheinen ängstlich darauf bedacht, umgehend auf den Zinserhöhungspfad zurückzukehren, sobald die Marktkonditionen sich beruhigen.

Ein Teil der transatlantischen Differenzen lassen sich durch das schwächere amerikanische Wirtschaftswachstum erklären. Allerdings sind die amerikanischen Turbulenzen bisher nahezu ausschließlich auf den Immobiliensektor begrenzt, der kaum durch den Overnight-Satz beeinflusst wird. In der aggressiven Politik der Federal Reserve zeigt sich aber das Bemühen, eine Ausweitung der Rezession zu stoppen noch bevor sie beginnt.

Die Bereitschaft, eine noch florierende, starke Wirtschaft anzukurbeln, steht im Einklang mit der langjährigen Philosophie der Fed, sich mehr um Wachstum als Inflation zu kümmern. Diese Präferenz hilft auch zu erklären, warum die Inflation der Verbraucherpreise in den Vereinigten Staaten seit 1996 durchschnittlich um 0,6 Prozent über der europäischen Inflationsrate liegt.

Wenn überhaupt, könnte die gegenwärtig aggressive amerikanische Zinspolitik diesen Abstand noch vergrößern. Die Vorliebe der Fed für niedrige Zinssätze schwächt den Dollar und führt zu höheren Importpreisen. Hinzu kommt, dass der Fokus auf die sogenannte Kerninflation nichts anderes bedeutet, als den 10-jährigen Trend ansteigender Nahrungsmittel- und Energiepreise zu ignorieren.

Am Markt teilt man diese Sicht der Dinge allerdings nicht. Die Rendite 10-jähriger US-Treasury-Bonds liegt nur um 0,2 Prozentpunkte über der vergleichbaren Rendite in der Eurozone. Der reale US-Zins, gemessen an der Inflation der Konsumentenpreise, liegt um 0,3 Prozentpunkte tiefer.

Wenn die Zentralbank ihrer Linie treu bleibt, dürfte der Renditeabstand zwischen den Vereinigten Staaten und der Eurozone sich jedoch ausweiten.

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