Fed
Schwierige Entwöhnung

Die Pläne der US-Notenbank, Treasuries über 200 Mrd. Dollar gegen hypothekenbesicherte Wertpapiere zu tauschen, werden dazu beitragen, den Markt zu stabilisieren. Für die Erstquartalsergebnisse der meisten Wertpapierhäuser dürfte diese Hilfe allerdings zu spät kommen.

Plötzlich ist die US-Notenbank Fed groß im Hypothekengeschäft. Sie plant, es ihren Primärhändlern – den großen Banken und Wertpapierhäusern – zu gestatten, hypothekenbesicherte Wertpapiere gegen Treasuries über bis zu 200 Mrd. Dollar zu tauschen. Dieses Vorhaben und die jüngst gesehene, umfangreiche Anhebung des Volumens laufender Kreditauktionen könnten dazu beitragen, den Markt für hypothekenbesicherte Titel (MBS) zu stabilisieren. Aber die Fed muss die Markterwartungen mit großer Sorgfalt steuern - nicht dass die Marktteilnehmer die Zentralbank künftig als erste Adresse unter den Kapitalgebern ansehen anstatt als die Anlaufstelle, bei der man zuletzt um Rettung ersucht.

Die neue Initiative weitet das Spektrum der Kreditrisiken enorm aus, das die Fed von den in Schwierigkeiten geratenen Banken zu übernehmen bereit ist. Und der Plan räumt zum ersten Mal den Brokern denselben Zugang wie den Banken ein. Dies könnte eine große Hilfe für die Firmen sein, die sich einer Liquiditätsklemme gegenüber sehen, wie dies, Gerüchten zufolge, etwa bei Bear Stearns der Fall sein soll, wogegen sich das Unternehmen allerdings verwehrt. Leider kommt der Plan zu spät, um die Erstquartalsergebnisse der Wertpapierhäuser noch zu stützen.

Zum ersten Mal akzeptiert die Fed auch MBSs, die nicht von Fannie Mae oder Freddie Mac als Sicherheiten garantiert werden. Wenn MBSs, deren Kurse fallen und die möglicherweise vor einer Bonitätsabstufung stehen, gegen unantastbare Treasuries getauscht werden können, wird sich das Volumen der im Markt umlaufenden MBS-Papiere reduzieren, was zur Kursstabilisierung beiträgt. Und den Banken und Brokern kommen so stärkere Sicherheiten zu, die sie einsetzen können, um an anderer Stelle Kapital zu sammeln.

In der Zielsetzung ähnelt die neue Fed-Initiative der Term Auction Facility (TAF), mit der zum ersten Mal im Dezember den Banken Kredite angeboten worden waren. Beide konzentrieren sich auf spezielle Unruheherde – die TAF auf die Kreditvergabe der Banken untereinander und der neue Plan auf Hypothekendarlehen. Das ist wahrscheinlich effektiver als breit gestreute Zinssenkungen. Und das TAF-Programm ist gut angekommen. Am Montag hat die Fed Kredite über 50 Mrd. Dollar zu 2,8 Prozent vergeben, das sind 70 Basispunkte unter ihrem stigmatisierten Diskontsatz. Die Banken hatten Gebote über rund 93 Mrd. Dollar eingereicht.

Während diese Programme durchaus ihre Vorzüge haben, sollte die US-Notenbank jedoch nicht zu einem langfristigen Halter von Hypothekenkreditrisiken werden. Wenn sich die Regierung dazu entschließt, die Branche zu retten, sollte sie dies klar und deutlich zum Ausdruck bringen, anstatt einen heimlichen Risikotransfer durch die Zentralbank in die Wege zu leiten.

Es besteht zudem die Gefahr, dass sich der Finanzsektor auf diese immer größeren und entgegenkommenden Hilfen der Fed verlässt anstatt seine eigenen Bemühungen zu verstärken, sein Kapital zu stützen und seine Vermögenswerte in Ordnung zu bringen. Um dies zu umgehen, sollte die Fed klarstellen, unter welchen Umständen sie damit anfangen wird, dem Markt wieder Liquidität zu entziehen. Sie könnte als Richtschnur zum Beispiel festgelegte Kursverbesserungen bei MBS-Instrumenten heranziehen. Oder sie könnte sagen, sie werde die Anforderungen für die Sicherheiten wieder verschärfen, damit sie allmählich wieder mit den Marktabschlägen in Einklang kommen. Diese Maßnahmen sollten ihren Wall Street-Schützlingen die Zeit – und auch den Anreiz – dafür geben, sich der Liquiditätszufuhr durch die Fed wieder zu entwöhnen.

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