Finanzkrise
Europäischen Banken drohen weitere Abschreibungen

Den jüngsten Ergebnissen von JP Morgan, Merrill Lynch und Citigroup nach zu urteilen, stehen auch europäischen Banken weitere Verluste ins Haus. Am schlimmsten könnte es die Royal Bank of Scotland und die Deutsche Bank treffen.

Die Abschreibungen amerikanischer Finanzinstitute ziehen vermutlich auch in Europa weiteres Ungemach nach sich. JPMorgan, Merrill Lynch und Citigroup haben in dieser Woche allesamt über weitere Bewertungsschnitte bei ihren Kreditmarktpositionen berichtet. Das heißt nicht, dass die Royal Bank of Scotland (RBS), die Deutsche Bank und der Rest automatisch von einer neuerlichen Schmerzwelle überrollt werden. Aber es lassen sich nützliche Hinweise daraus ablesen.

JPMorgan, zum Beispiel, hat jetzt den Wert ihrer Übernahmefinanzierungen auf 71 Prozent des Nennwerts abgeschrieben. Zum Ende des ersten Halbjahrs hatten die RBS und die Deutsche Bank ihre Positionen mit 92 bzw. 91 Prozent bewertet. Die RBS hat zwar alles daran gesetzt, Positionen abzustoßen. Ihr Buch für Übernahmefinanzierungen wurde im ersten Halbjahr um 4,7 Mrd. Euro verkleinert. Aber selbst wenn man im Juli weitere Verkäufe über 1,7 Mrd. Euro einräumt, sitzen die Briten doch immer noch auf einem Posten von 12,3 Mrd. Euro. Revidiert man die Bewertungen auf 71 Prozent nach unten, kommt ein Verlust über 2,8 Mrd. Euro zum Vorschein.

Die Deutsche Bank würde es sogar noch härter treffen. Zum Ende des ersten Halbjahrs hatte der deutsche Branchenprimus immer noch 24,5 Mrd. Euro an Übernahmefinanzierungen in seinen Büchern. Den Vorgaben von JPMorgan zu folgen, würde eine Wertreduzierung um 5,4 Mrd. Euro bedeuten. Darüber hinaus hatte die Credit Suisse am Donnerstag für das dritte Quartal über einen Nettoverlust berichtet, der zu einem großen Teil auf zusätzliche Abschreibungen, darunter auch auf Übernahmefinanzierungen, über 2,4 Mrd. sfr zurückzuführen ist. Die Banken können leicht behaupten, ihre Kredite seien von höherer Qualität, oder dass sie keine Verkaufsabsichten hegen. Aber der Lackmustest könnte dann anstehen, wenn eine Bank Vermögenswerte abgeben muss, entweder um an Cash zu kommen oder um ihren Fremdkapitalanteil zu senken. Und dies wird in dem derzeit angespannten Umfeld immer wahrscheinlicher.

Und es betrifft nicht nur die Übernahmefinanzierungen allein. Die US-Riesen mussten die Bewertungen auf Wertpapiere weiter senken, die durch sämtliche Kategorien an Hypothekendarlehen für Wohnimmobilien unterlegt sind, darunter auch Alt-A, einer Klassifizierung zwischen zweit- und erstklassiger Bonität. Auch die Engagements bei Gewerbeimmobilien kamen erneut unter Beschuss. Der CMBX-Index, ein Barometer für durch Gewerbeimmobilien besicherte Vermögenswerte, hat sich allein im vergangenen Monat um 75 Basispunkte ausgeweitet. Und die Banken in Großbritannien und in Kontinentaleuropa sitzen immer noch auf Bergen dieses Giftmülls.

Doch vielleicht brechen gar ein paar Sonnenstrahlen durch das düstere Gewölk. Die EU dürfte die Änderungen der Bilanzierungsrichtlinien gemäß den US-Vorgaben ratifizieren, wodurch es den Instituten gestattet werden würde, solche Vermögenswerte im Bankbuch und nicht im Handelsbuch zu verstauen. Das könnte ihnen - zumindest vorerst - einiges Leid ersparen.

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