Finanzkrise
Französische Banken geben Rätsel auf

Anders als in Großbritannien und in den USA ist über den Rekapitalisierungsplan für die französischen Banken nur wenig Konkretes bekannt. Die Märkte bestrafen die Institute, von denen gemunkelt wird, sie benötigten Hilfe. Um die Unsicherheit und das Gerangel zu vermindern, sollte sich die französische Regierung detailliert zu dem Plan äußern.

Die Banken und die Regierung Frankreichs haben den Märkten den Teil über die Rekapitalisierung des europaweiten Rettungsplans nicht ausreichend vermittelt. In dieser Woche wurden die Aktien von Credit Agricole und BNP Paribas abgestraft, nachdem Gerüchte die Runde gemacht hatten, diese Institute müssten einen Teil der 40 Mrd. Euro beanspruchen, die die Regierung beiseite gelegt hat, um die Bilanzen der Banken zu stützen. Die Regierung muss konkret über Einzelheiten ihres Vorhabens berichten, um die Unsicherheit zu dämpfen.

Credit Agricole und BNP beeilten sich, den Märkten zu versichern, sie brauchten das Geld nicht - zuvor hatte die französische Finanzministerin Christine Lagarde allerdings das Gegenteil angedeutet. Dann ließ Regierungschef Francois Fillon verlauten, er sei "sicher", dass die französischen Banken die Rekapitalisierungsfazilität in Anspruch nehmen werden, weil die "staatlichen Kapitalspritzen zur Unterstützung angeschlagener Banken den Wettbewerb in der EU verändert" hätten.



Die drei größten und notierten Banken Frankreichs - BNP Paribas, Societe Generale und Credit Agricole - beteuern, genug Kapital zu haben. Ihre Kernkapitalquote bewegt sich bei etwa rund sechs Prozent bzw. sieben Prozent bei Credit Agricole. SocGen und Credit Agricole haben in diesem Jahr umfassende Bezugsrechtsemissionen vorgenommen, nachdem sie durch Betrug oder durch Verluste bei Hypothekendarlehen zweitklassiger Bonität in Mitleidenschaft gezogen worden waren.

So zögern sie verständlicherweise, von den Aktionären noch mehr zu verlangen. Darüber hinaus sind die Banken des Landes nicht denselben Risiken ausgesetzt - im besonderen Immobilien und verseuchten Vermögenswerten - wie ihre britischen Konkurrenten, und ihre Bilanzen sind stärker als die der deutschen Banken. Ihr auf Retail basierendes Finanzierungsmodell ist robust, und BNP ist aus der Krise vermutlich als die stärkste Bank auf dem europäischen Kontinent hervorgegangen. Und letztlich wollen alle drei ihre Distanz zur Regierung wahren.

Aber ein Teil der Gründe, weshalb sie sich nicht auf das Geld des Staates stürzen, ist darin zu suchen, dass die Einzelheiten zu dem Regierungsplan schwammig bleiben. Die Regierung hat es zum Beispiel unterlassen, Genaueres zu dem Kupon auf die Vorzugsaktien zu sagen oder ob sie versuchen würde, bei den Banken, in die sie investiert, das Nichtzahlen einer Dividende durchzusetzen. All diese Dinge haben die USA und Großbritannien detailliert publik gemacht.

Vielleicht werden die französischen Banken letztendlich, wie Fillon es angekündigt hat, das Geld doch nehmen müssen, um an der Spitze der Wettbewerber zu bleiben. Aber wenn sie es nicht tun, dann sollten sie wenigstens in die Lage versetzt werden, zu einer auf guten Kenntnissen der Sachlage gründenden Entscheidung zu gelangen - und sei es nur deswegen, weil es eine Entscheidung wäre, die sie vielleicht noch einmal verfolgen könnte.

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