Finanzzentrum unter Druck
Dubai: Vom Übermorgenland zur Bettenburg

Der Status von Dubai als das Finanzzentrum am Persischen Golf ist in Gefahr. Das Emirat ächzt unter einer gewaltigen Schuldenlast. Abu Dhabi mag zwar dazu beigetragen haben, den ärmeren Nachbarn zu stützen. Doch die Hauptstadt der VAE scheint hegt selbst ehrgeizige Ambitionen. Dubais Zukunft könnte daher ganz anders aussehen als geplant.
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Der Status von Dubai als das beherrschende Finanzzentrum am Persischen Golf scheint in Gefahr zu sein. Das überschuldete, rohstoffarme Emirat mag zwar dank einer Rettung und der implizit immer noch anhaltenden Hilfe aus Abu Dhabi einen demütigenden Staatsbankrott abgewendet haben. Doch der ölreiche Nachbar hat jetzt die Chance, seine eigenen Ambitionen umzusetzen, das Zentrum für Finanzdienstleistungen der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) und vielleicht sogar für die gesamte Golfregion zu werden.

Während Dubai seine Verbindlichkeiten mit 80 Mrd. Dollar ausweist, was 140 Prozent des Bruttoinlandsprodukts entspricht, liegen seine Ausleihungen in Wirklichkeit sogar noch höher, verlautete aus mit der Lage vertrauten Kreisen. Der Markt für Gewerbe- und Wohnimmobilien, der in der Wirtschaft Dubais eine dominierende Stellung einnahm, ist zusammengebrochen. Die Preise dürften noch einmal um 20 Prozent fallen, nachdem sie sich im vergangenen Jahr bereits um 48 Prozent verringert hatten, schätzt Colliers International.

Abu Dhabi, die politische Hauptstadt der VAE, hatte Dubai vor acht Monaten Nothilfen über zehn Mrd. Dollar bereitgestellt. Doch kaum etwas deutet darauf hin, dass Dubai oder seine zahlreichen staatlichen Unternehmen seither das Vertrauen der internationalen Investoren wiedergewinnen konnten. Die zweite Tranche einer geplanten Anleihe über 20 Mrd. Dollar, mit der die Verbindlichkeiten Dubais teilweise refinanziert werden sollen, wird wahrscheinlich auf keine allzu große Resonanz stoßen. Noch einmal dürften also staatliche Stellen in Abu Dhabi rettend eingreifen, bevor im Dezember eine so genannte Sukuk- oder islamische Anleihe über 3,5 Mrd. Dollar, die der staatliche Immobilienentwickler Nakheel aus Dubai emittiert hatte, fällig wird.

Trotz all der seit langem bestehenden Rivalitäten zwischen den Emiraten läge es nicht im Interesse von Abu Dhabi, wenn eine benachbarte Volkswirtschaft zusammenbräche. Abu Dhabi hat Dubai im Gegenzug für das gewährte Rettungspaket denn auch tatsächlich keine allzu harten finanziellen Konditionen auferlegt. Der vierprozentige jährliche Kupon des Bonds mit einer Laufzeit von fünf Jahren, den Abu Dhabi gekauft hat, kann kaum als lukrativ bezeichnet werden. Zudem hat das Emirat darauf verzichtet, Dubai zu demütigen. Es hätte schließlich auch attraktive Vermögenswerte wie die Fluglinie Emirates Airlines oder den Hafenbetreiber DP World als Gegenleistung für seine Unterstützung verlangen können.

Doch abgesehen davon scheint Abu Dhabi die Führungsriege in Dubai doch dazu ermutigt zu haben, ihre unermüdliche Eigenwerbung abzuschwächen, die nach außen hin den Eindruck geschürt hatte, das Emirat sei ein eigenständiges Land. Dubais Herrscher, Scheich Mohammed bin Rashid Al Maktoum, bezieht sich heutzutage zu allererst auf die “Wirtschaft der VAE“ und nicht mehr länger auf die Wirtschaft Dubais.

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