Friedensnobelpreis
Obama, die Hoffnung und die Wirklichkeit

US-Präsident Barack Obama sollte den Friedensnobelpreis ausschlagen. Seine unumstrittene Vision allein wird der Auszeichnung kaum gerecht. Der Preis kommt bestenfalls zu früh und unterstreicht lediglich, dass der amerikanische Präsident bisher kaum wirkliche außenpolitische Triumphe vorzuweisen hat. Außerdem könnte die Verleihung unbeabsichtigt das noble Ansinnen Obamas untergraben.
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Fragt man ein zehnjähriges Kind nach einem Wunsch, der unbedingt in Erfüllung gehen sollte, dann lautet die Antwort fast ausnahmslos: "Frieden auf der Welt". Das ist wunderschön und rührend - aber kaum nobelpreisverdächtig. Das norwegische Nobelpreiskomitee scheint da anderer Ansicht zu sein. Es hat seinen renommierten Friedensnobelpreis dem US-Präsidenten Barack Obama zuerkannt.

Das Gremium - dessen ehemaliger Sekretär sich einmal in aller Öffentlichkeit gefragt hatte, warum die Welt sich überhaupt darum kümmert, "zu welcher Entscheidung fünf international relativ unbekannte Norweger darüber kommen mögen, wer am meisten für den Frieden getan hat" - hat die Auszeichnung nicht für tatsächliche Errungenschaften verliehen, sondern für die Bemühungen Obamas während des vergangenen Jahres, den Frieden, und dabei im Besonderen die nukleare Abrüstung, zu fördern.

Damit wird der US-Präsident in die Reihe der Würdenträger wie Mutter Teresa, Aung San Suu Kyi, die Friedenstruppen der Vereinten Nationen und viele andere erhoben, die nachweislich von sich behaupten können, den Frieden gefördert zu haben. Selbst Henry Kissinger, eher ein Falke im Amt des US-Außenministers, dem der Preis 1973 zuerkannt wurde, hatte ein Friedensabkommen unterzeichnet. Mit ihm wurde der Vietnamkrieg beendet.

Obama hat eindeutig dafür gesorgt, dass sich die Nervosität der Europäer angesichts der Tendenzen seines Amtsvorgängers zum Alleingang gelegt hat. Doch nach neun Monaten der Präsidentschaft ist auch Obama offensichtlich der Lösung der vielen Probleme, vor denen George W. Bush gestanden hatte, nicht viel näher gekommen.

Die Verbündeten Amerikas fühlen sich ermutigt, wenn der US-Präsident darüber spricht, in die Welt eingebunden zu sein. Und diejenigen, die gute Englisch-Kenntnisse vorweisen können, werden sich auch an Obamas Betonung des Wortes "nuclear" erfreuen. Aber Iran droht immer noch mit seinen atomaren Ambitionen und Nordkorea stachelt die Welt nach wie vor mit Raketenabschüssen und unterirdischen Bombentests auf.

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