Geldanlage
Gold wird zum festen Bestandteil in den Depots

Die Verunsicherung der Anleger ist nicht der einzige Grund, warum Gold einen Rekord nach dem anderen aufstellt. Sicher, die ausgeprägte Ungewissheit auf den Finanzmärkten trägt ihren Teil dazu bei. Doch auch Hedge Fonds, Privatanleger, Pensionsfonds und selbst die Zentralbanken entdecken das Edelmetall wieder. Wenn Gold seinen verlorenen Status als ein maßgeblicher Bestandteil im Portfolio wiedergewinnt, sollte dies – bis zu einem gewissen Punkt – die Preise stützen.
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Die Gold-Fans müssen außer sich sein vor Freude. Der Preis des Edelmetalls stellt einen neuen Rekord nach dem anderen auf - den jüngsten am Donnerstag mit über 1 225 Dollar je Feinunze. Die ausgeprägten Unsicherheiten auf den Finanzmärkten tragen ihren Teil dazu bei. Doch Gold könnte auch seinen verlorenen Status als Schlüsselkomponente ausgewogener Portfolios wiedergewinnen.

Wenn jemand ruft: "Dieses Mal ist alles anders", lässt dies meist nichts Gutes erahnen. Die Nachricht, dass die weltgrößte Goldmine Barrick Gold in dieser Woche die Beseitigung ihrer Kursabsicherungsgeschäfte abgeschlossen hat, könnte wie ein Anzeichen dafür gedeutet werden, dass die Gold-Euphorie ihre Spitze erreicht hat. Und die Tatsache, dass so viele Investoren gleichgerichtet agieren, ist oft ein Warnsignal.

Doch man kann durchaus argumentieren, dass sich die Grundregeln für Gold tatsächlich gerade ändern - dass sie sich vielleicht zurückverwandeln und wieder so funktionieren wie früher, bevor dann über mehrere Jahrzehnte hinweg den Aktieninvestitionen eindeutig der Vorzug gegeben wurde. Das Universum der Gold-Investoren weitet sich weit über die exzentrischen Verschwörungstheoretiker, Inflationsangsthasen und sagenumwobenen Einsiedler hinaus aus.

Das 88 Mrd. Dollar schwere Teachers Retirement System of Texas und der Fondsmanager Waddell & Reed, zum Beispiel, sind zu dem Schluss gekommen, dass Gold einen legitimen Bestandteil ihrer Portfolios bilden kann. Privatkundenorientierte börsennotierte Fonds halten derzeit vielleicht Gold im Wert von 60 Mrd. Dollar - mehr als die chinesische Regierung ihr Eigen nennen kann. Hedge Fonds-Manager sind verrückt nach Gold - angefangen von John Paulson, der sich mit seinen Wetten gegen den US-Immobilienmarkt als der größte Gewinner erwies, bis zu David Einhorn von Greenlight Capital.

Und zum ersten Mal seit zwei Jahrzehnten werden auch die Zentralbanker wahrscheinlich wieder zu den Netto-Abnehmern gehören, schreibt die Deutsche Bank. Indien hat dafür den Weg geebnet, nachdem das Land im vergangenen Monat 200 t Gold vom Internationalen Währungsfonds erworben hat.

Eine Portfolio-Gewichtung von Gold von nur zwei Prozent bei Pensions- und Investmentfonds und Versicherern könnte eine Nachfrage über fast 1,5 Bill. Dollar erzeugen - und das auf einem relativ kleinen Markt, denn laut dem World Gold Council ist überhaupt nur Gold im Wert von geschätzt sechs Bill. Dollar vorhanden. Aber Gold-Optimisten können sich darüber hinaus mit der Tatsache trösten, dass sich Gold inflationsbereinigt im Preis noch einmal verdoppeln könnte, bevor die Spitze aus dem Jahr 1980 wieder erreicht wäre.

Das Interesse der Anleger an Gold wird unweigerlich wieder ein wenig nachlassen, wenn sich erst einmal klarer abzeichnet, welchen Kurs die globale Wirtschaft einschlägt und die Argumente für andere Investitionskategorien wieder mehr an Gewicht gewinnen. Aber wenn Gold wieder Einzug in die Portfolios der Investoren gehalten hat - in einer Rückkehr zu einem weniger von Aktien getriebenen Ansatz -, dann könnte dies - zumindest bis zu einem gewissen Punkt - den Kursen längerfristig Halt bieten.

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