General Motors
Zauberer dringend gesucht

Stellen Sie sich einen dienstbaren Geist vor, der einen Weg aufzeigt, wie aus einzelnen Teilen der ins Taumeln geratenen GM wieder ein rentabler Autobauer heraufbeschworen werden könnte. Es gäbe von allem weniger: weniger Marken, Benzinfresser, Mitarbeiter und Händler. Bleibt der magische Zauber des Dschinn aus, könnte die Insolvenz der einzige Weg sein, wie GM all dies alleine bewerkstelligen kann.

Gerade betankt der frustrierte Top-Mann von General Motors seine Geschäftslimousine, als er sich plötzlich einer Erscheinung gegenüber sieht: Aus dem Benzindampf manifestiert sich ein dienstbarer Geist vor seinen ungläubigen Augen und stellt sich als Dschinn des Tanks vor. Er gewährt dem Manager seinen einzigen Wunsch, nämlich einen rentablen Autohersteller zu leiten, und verspricht, ihn Wirklichkeit werden zu lassen, indem er all die Elemente von GM verwendet, die die Spitzenkraft auswählt.

Der Manager erstellt eine Liste. Um die Sache einfach zu halten, tauft er seine neue Gesellschaft Fokus Motorenwerke, um schon im Namen mit dem zerfaserten Ansatz zu brechen, durch den GM in seinem gegenwärtigen Schlagloch gelandet ist. Dann wählt er die Fahrzeuge aus. Er weiß, er muss die Abhängigkeit des Autobauers von Benzinfressern umkehren - Lastwagen und Geländewagen machen rund 60 Prozent des US-Absatzes aus - und er muss weniger Modelle produzieren. Er erinnert sich, dass Toyota in den USA gerade einmal acht Modelle herstellt. GM verzeichnet, verteilt über seine acht Marken, ungefähr 70 Modelle. Er rechnet sich aus, dass ein guter Ausgangspunkt bei 20 Modellen liegen könnte, und zwar alle zusammengefasst unter den beiden stärksten Marken Cadillac und Chevrolet.

Jetzt wendet er sich der Belegschaft zu. Er schätzt, dass er insgesamt 36 000 Mitarbeiter braucht. So viele Menschen beschäftigt auch Toyota in den USA. Das wären schon einmal viel weniger als allein die etwa 54 000 gewerkschaftlich organisierten Arbeiter bei GM. Und keine Sonderabschlüsse bei der Gesundheitsfürsorge oder der Altersvorsorge.

Zudem wird er nur einen Bruchteil der 7 000 GM-Händler brauchen. Wenn er Toyota als Messlatte benutzt, dann kommt er auf etwa 1 500. Und schließlich fügt er seinem Wunsch noch eine kleine Bitte um das Ausbleiben von Verbindlichkeiten und um zwölf Mrd. Dollar der liquiden Mittel von GM für Beschaffung, Forschung und Notfälle an, übergibt die Liste dem Dschinn und - Simsalabim! - schon ist er Herr über einen erfolgreichen Autohersteller mit einer Betriebsgewinnspanne von sechs Prozent, der im Jahr zwei Millionen Fahrzeuge verkauft.

Wenn es doch so einfach wäre für den GM-Boss Rick Wagoner. GM braucht vielleicht frische liquide Mittel über 15 Mrd. Dollar, um gerade einmal bis 2010 durchzuhalten. Und dabei ist noch nicht einmal das Streichen von Marken berücksichtigt, das teuer werden kann. Aber um rentabel arbeiten zu können, muss GM mit Sicherheit schrumpfen. So wie es aussieht, und wenn der magische Zauber des dienstbaren Geistes ausbleibt, könnte der Antrag auf Gläubigerschutz der einzige Weg sein, auf dem GM dieses Ziel erreichen kann.

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