Goldman Sachs
Der unangefochtene Spitzenreiter

Eigentlich folgt Goldman Sachs einem einfachen Modell: Lenke ein breit angelegtes Spektrum an Geschäftbereichen und gehe Verlusten so gut wie möglich aus dem Weg. Trotzdem haben die Konkurrenten Mühe, es der Wall Street-Firma gleich zu tun. Nach einem weiteren annehmbaren Quartal ist die Anziehungskraft von Goldman auf die Aktionäre und die Kunden sogar noch verlockender geworden.

Goldman Sachs einzuholen, gehört zu den klassischen Disziplinen an der Wall Street. Die Aufholjagd ist oft vergebens - und in manchen Fällen eine Gefahr für die eigene Karriere. Das werden abgeschobene Führungskräfte wie der ehemalige Chef von Merrill Lynch, Stan O?Neal, oder die ehemalige zweite Frau bei Morgan Stanley, Zoe Cruz, bestätigen, die die Entwicklung ihrer Banken an dem erfolgreicheren Konkurrenten ausgerichtet hatten. Nach einem weiteren annehmbaren Quartal scheint Goldman sich jetzt noch klarer vom Feld abgesetzt zu haben als je zuvor.

Unter den führenden Investmentbanken ist Goldman Sachs bis jetzt die einzige, die von der Kreditkrise nicht allzu schwer in Mitleidenschaft gezogen worden ist. Zwar hat auch Goldman Einbußen hinnehmen müssen - fast 800 Mill. Dollar an Übernahmefinanzierungen, wobei die Verluste zum einem großen Teil auf das Konto fehlgeschlagener Absicherungstransaktionen gehen. Aber der Gewinn von 2,1 Mrd. Dollar hat die Erwartungen der Analysten um ein Drittel übertroffen, selbst wenn die Firma Vermögenswerte über rund 100 Mrd. Dollar abgestoßen hat - fast so viel wie Lehman Brothers verkauft hat.

Das Modell von Goldman ist denkbar einfach gehalten: Lenke ein Spektrum an Geschäftsbereichen, die breit genug angelegt sind, um schmerzhafte Entwicklungen auf einzelnen Gebieten auffangen zu können - was sich zum Beispiel Lehman Brothers noch nicht zu Herzen genommen hat - und gehe Verlusten so gut wie möglich aus dem Weg.

Und doch scheinen die Konkurrenten ihre Mühe damit zu haben, es Goldman gleich zu tun. Das lässt sich teilweise darauf zurückführen, dass sie oft die Umsicht über Bord werfen, während sie den Gewinnen von Goldman hinterher jagen. Merrill und Citigroup haben ihre Hypothekendarlehensbereiche zu groß werden lassen, ohne die Risiken abzusichern. Und Morgan Stanley hat sich bei einem hypothekenbezogenen Geschäft von der eigenen Gier überrumpeln lassen.

Gerade die jüngsten Schwierigkeiten ihrer Konkurrenten lassen Goldman nun in einem noch besseren Licht als zuvor erscheinen. Die Aktionäre müssen sich einfach wohler dabei fühlen, Goldman-Aktien zu besitzen und nicht die der Konkurrenz. Und die Kunden könnten jetzt noch eher bereit sein, der Firma ihr Geschäft anzuvertrauen. Sie ist die Wahl, für die sie später keine Vorwürfe einkassieren müssen. So gehen zumindest die anderen Finanzinstitute vor: Indem Goldman die Bezugsrechtsemissionen der Banken verkauft hat, haben sich die Einnahmen der Investmentbank im Bereich der Übernahme und Platzierung von Aktienemissionen im vergangenen Quartal vervierfacht.

Und doch könnte die Aura der Unbesiegbarkeit durch ein einziges armseliges Quartal angekratzt werden - und die bisherige relative Stärke von Goldman bedeutet auch, dass die Investmentbank über die risikoreichen Bestandteile ihres Geschäfts nicht in demselben Ausmaß berichten musste, wie ihre Mitstreiter dies zu tun gezwungen waren. Und die Gewinnentwicklung von Goldman wird genau so wie die der anderen beschnitten werden, wenn die Aufsichtsbehörden die Investmentbanken darauf festlegen, mehr Kapital vorzuweisen und den Einsatz von Fremdkapital gering zu halten. Darüber hinaus hassen die Kunden Monopole. Sie werden ihre Geschäfte also immer unter allen möglichen Spielern aufteilen. Zunächst einmal ist es für die Konkurrenten allerdings sogar noch schwerer geworden, mit Goldman Schritt zu halten.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%