Griechenland
Keine irischen Verhältnisse

Griechenlands Bankerschelte wird die Finanzmisere des Landes nicht lösen. Bankerboni mit 90 Prozent zu besteuern, mag populär sein. Da wirkt London mit seiner Supersteuer von 50 Prozent wie eine Steueroase. Doch die Pläne scheinen nicht gut genug kalkuliert, um die ramponierte Kreditwürdigkeit des Landes wiederherzustellen.
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Griechenlands Bankerschelte wird die Finanzmisere des Landes nicht lösen. Bankerboni mit 90 Prozent zu besteuern, mag populär sein. Da wirkt London mit seiner Supersteuer von 50 Prozent wie eine Steueroase. Auch die Beteuerung der linksgerichteten Regierung, die Reallöhne für geringverdienende Beamte zu erhöhen, kommt gut an. Doch die am Montag veröffentlichten Pläne scheinen nicht gut genug kalkuliert, um die ramponierte Kreditwürdigkeit des Landes wiederherzustellen.

Mit dem Versprechen, das für 2009 auf 12,7 Prozent erwartete Haushaltsdefizit in 2010 um satte vier Prozent zu verringern, hat George Papandreou einen guten ersten Schritt getan. Ebenso wird sein Appell begrüßt, Griechenland müsse seinen Lebensstil ändern oder sei zum Untergang verdammt. Leider ließ seine Ankündigung an Details vermissen.

Papandreou versprach eine zehnprozentige Kürzung der Fürsorgeausgaben. Wie, hat er nicht verraten. Auch kündigte er Privatisierungen an, verschwieg aber, was verkauft werden soll. Zudem stellte er vier Milliarden Euro, oder zwei Prozent des BIPs, zusätzliche Steuereinkünften in Aussicht. Ein Großteil davon soll durch Maßnahmen gegen Steuerhinterziehung erzielt werden. Viel Glück. Denn wie Papandreou selbst zugibt, wird sein Land von Korruption geplagt.

Es erscheint so, als fehle Papandreou die Macht, sich gegen die Gewerkschaften und die Parteilinke aufzulehnen. Darum überrascht Die geringe Resonanz der Investoren kaum. Nach seiner Rede stieg der Spread on zehnjähriger Staatsobligationen gegenüber Bundoptionen um weitere 40 Basispunkte.

Griechenland mag es vielleicht schaffen, doch Papandreou spielt mit der Zukunft des Landes. Es benötigt mehr als nur die Erhaltung des derzeitigen Bonitätsratings von BBB+. Ende 2010 will die Europäische Zentralbank Teile seiner Finanzhilfen einstellen. Sollte Griechenland seine Kreditwürdigkeit bis dahin nicht verbessert haben, sind seine Obligationen für die Refinanzierung disqualifiziert.

Viele denken, Griechenland sei anders als Irland – und brauche deshalb als Antwort auf die Finanzkrise nicht so harte Einschnitte vorzunehmen. In der Tat besteht die Gefahr, dass Griechenland anders ist als Irland: nämlich weniger dazu bereit, den Gürtel enger zu schnallen, und deshalb umso anfälliger für zukünftige Schocks.

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