Hochtief
Zu keinen Konzessionen bereit

Die Baugruppe Hochtief mag vielleicht unrealistische Erwartungen über den Marktwert des 49-prozentigen Anteils an ihrer Tochter Concessions gehegt haben. Aber wenn die Aktienmärkte auch nur ansatzweise enthusiastisch wären, dann wäre der Deal über eine Mrd. Euro über die Bühne gegangen. Der europäische Markt ist noch nicht bereit für eine Flut neuer Emissionen.
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Hochtief Concessions wäre die größte Erstemission auf dem deutschen Markt seit zwei Jahren gewesen. Aber die Baugruppe Hochtief, die 49 Prozent ihrer Tochter an die Börse bringen wollte, hat den Deal abgesagt. Der europäische Aktienmarkt mag zwar wieder normal funktionieren, aber auf eine Flut an neuen Emissionen ist er noch nicht eingestellt.

Hochtief schiebt die Schuld an seiner Absage den Erschütterungen auf den Märkten nach dem Schuldendebakel in Dubai zu. Doch wahrscheinlich bildeten die hochfliegenden Ambitionen des Verkäufers, was den Wert eines Geschäfts angeht, dessen Vermögenswerte auch einen Anteil am Budapester Flughafen umfassen, die höhere Hürde.

Europäische Unternehmen haben in diesem Jahr mit Erfolg über Bezugsrechtsemissionen und Platzierungen Milliarden bei den Investoren eingesammelt, und meistens für Unternehmen in finanziellen Nöten. Doch die IPO-Volumina in der Region lagen in den ersten drei Quartalen 2009 bei dürftigen 741 Mill. Dollar - das ist weniger als ein Zehntel des Betrags, der in den USA eingebracht wurde, und ein Bruchteil der 35 Mrd. Dollar an asiatischen Emissionen.

Jetzt da sich die Finanzmärkte erholt haben und die Wirtschaft ein bisschen weniger instabil erscheint, wagt sich der europäische IPO-Markt im vierten Quartal vorsichtig nach vorn. Hochtief Concessions war nur einer von vielen Deals, die in jeder nur erdenklichen Ausgestaltung durch die europäischen Leitungen schießen. Die französische Luxusgütergruppe PPR hat ihre auf Afrika ausgerichtete Tochter CFAO Anfang der Woche an die Börse gebracht. Der polnische Versorger PGE, der niederländische Versicherer Delta Lloyd und der italienische Internet-Textileinzelhändler Yoox haben allesamt ihr Marktdebüt gegeben.

Und weitere werden folgen, sagen die Banker. Allerdings müssen die Verkäufer realistisch bleiben. Die Investoren sind schnell verunsichert, wie die zweitägige Panik aufgrund der Schwierigkeiten in Dubai deutlich gezeigt hat. Das Scheitern der Erstemission von Hochtief Concessions wird die anderen nicht von ihren Versuchen abhalten - schon in der kommenden Woche steht der Börsengang des britischen Fondsmanagers Gartmore an. Aber die Anleger werden sich auch nicht, ohne zu zögern, auf die Verkäufer stürzen. Sie brauchen sowohl eine überzeugende Geschichte als auch einen attraktiven Preis, um sie zum Mitmachen zu bewegen.

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