Hyatt
Eine teure Familienfehde

Die Familie Pritzker verkauft in einer der größten US-Erstemissionen des Jahres rund eine Mrd. Dollar an Aktien ihrer Hyatt Hotels. Der IPO bewertet die Hotelgruppe mit insgesamt über vier Mrd. Dollar. Das entspricht einem beträchtlichen Abschlag gegenüber Marriott. Doch angesichts all der Familienstreitigkeiten und eines möglichen Aktienüberhangs ist dies vermutlich gerechtfertigt.
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Ein Teil der Familie Pritzker will aus den Hyatt Hotels auschecken. In einer der größten US-Erstemissionen dieses Jahres will der aus Chicago stammende Clan Aktien über rund eine Mrd. Dollar verkaufen, was knapp einem Viertel der Hotelgruppe entspricht. Basierend auf den Bewertungsvielfachen könnten sich die Investoren die Gruppe zu einem beträchtlichen Abschlag gegenüber Marriott International sichern. Aber angesichts all der Familienstreitigkeiten und eines möglichen Aktienüberhangs ist es sinnvoll, den Preis des Deals so zu gestalten, dass sich die Verkaufschancen erhöhen.

Gemäß der indizierten Kursspanne wird Hyatt mit über vier Mrd. Dollar bewertet. Legt man zum Vergleich dasselbe Zwölffache des Verhältnisses des Gesamtwerts des Unternehmens zum Ergebnis vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen zugrunde, zu dem Marriott gehandelt wird, dann wäre Hyatt - ohne Nettoverbindlichkeiten - eher sechs Mrd. Dollar wert. Das legt nahe, dass die Anleger selbst am oberen Ende der indizierten Spanne in den Genuss eines IPO-Abschlags von mehr als 25 Prozent kommen würden.

Doch der Abstand zu Marriott wird sich wahrscheinlich in absehbarer Zeit nicht verringern. Nach der Transaktion wird Hyatt über eine zweigleisige Aktienstruktur verfügen. Die Papiere im Besitz der Pritzker-Familie und anderer Interner werden zehn Mal mehr Stimmrechte tragen als die Titel der Klasse A, die bei der Erstemission zum Verkauf gestellt werden. Aktien mit einem Superstimmrecht können die unternehmerische Entscheidungsfindung verzerren und sollten den Investoren zu denken geben, egal, bei welchem Unternehmen sie sich engagieren. Doch die gewählte Struktur könnte sich vor dem Hintergrund der seit langem schwelenden Familienfehde der Pritzkers als besonders Besorgnis erregend erweisen.

Auch über das Für und Wider dieser dualen Aktienstruktur haben sich die Familienmitglieder gestritten. Und um einige von ihnen zu beschwichtigen, wurden die Einschränkungen über ihre weiteren Aktienverkäufe nachgebessert. Sie können jetzt in jedem Jahr nach der Erstemission 25 Prozent ihrer Aktien abstoßen, nachdem zuvor nur 20 Prozent angedacht gewesen waren.

Dies betrifft auch die IPO-Investoren, denn möglicherweise ergibt sich daraus ein größerer Aktienüberhang auf dem Markt. Nach Abschluss der Transaktion wird die Familienstiftung immer noch mehr als 60 Prozent der Anteile halten, so dass vielleicht bald noch mehr Aktien auf einen Käufer warten. Alles in allem sieht der Hyatt-IPO vielleicht wie ein Schnäppchen aus. Doch ein robuster Abschlag für die Pritzker-Fehde ist vielleicht doch angebracht.

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