Im Nachhinein
Krieg der Kulturen

Als Luqman Arnold die UBS leitete und John Reed die Citigroup beherrschte, ahnten sie nicht, wie schwierig es ist, die langweiligen und die aufregenden Bereiche des Bankengeschäfts zu kombinieren. Im Nachhinein sind die Fallstricke offenkundig. Aber man gerät schneller in ein solches Durcheinander der Kulturen, als man wieder herauskommt.

Im Nachhinein sind Fallstricke oft schmerzhaft leicht zu erkennen. Die derzeitige Finanzkrise hat in dieser Hinsicht zumindest zwei führenden Ex-Chefs eine neue Perspektive auf die Vergangenheit eröffnet.

In Europa stellt Luqman Arnold das “integrierte Geschäftsmodell” von UBS in Frage. Das scheint eine neue Erkenntnis zu sein. Solche strategischen Zweifel hatte er während seiner acht Monate als Präsident der schweizerischen Großbank 2001 nie geäußert. Auch nicht, nachdem man ihn gefeuert hatte.

Auf der anderen Seite des Atlantiks, ist Citigroup gerade dabei, das zehnjährige Jubiläum der Fusion von Citigroup mit dem Finanzkonglomerat Travelers zu feiern – wenn man das so nennen kann. John Reed, der Citigroup damals leitete, hält die Fusion jetzt für einen “Fehler”. In einem Zeitungsinterview sagte er, es habe da einen “Mangel an Aufsicht und Struktur” gegeben.

Die Einschätzungen von Arnold und Reed sind zwar nicht identisch, aber ihnen liegt die gleiche Einsicht zugrunde: die langweiligen und die aufregenden Bereiche im Bankgeschäft vertragen sich nicht gut. Im Fall von Citigroup bestand der langweilige Part im Retail-Banking. Bei der UBS war es die Betreuung vermögender Privatkunden. Bei beiden lag der Glanz auf den Handelsabteilungen des Investment Banking. Bei beiden haben Verluste in Milliardenhöhe den Glanz in Staub verwandelt.

Es handelt sich um ein Problem der Kulturen. Reizlose Geschäfte verlangen nach einem viel bedächtigeren Ansatz, als sowohl den täglichen Anforderungen wie auch der Risikokontrolle gerecht zu werden. Es ist nahezu unmöglich, eine Gruppe von Spitzenmanagern zusammenzustellen, die die Welt gleichzeitig aus so unterschiedlichen Blickwinkeln betrachten kann. Wie Arnold und Reed jetzt einzusehen scheinen, haben dies weder Citigroup noch UBS zu Wege gebracht.

Wenige Banken schaffen das. Die Deutsche Bank schlägt sich gut, aber ihre langweiligen Geschäftsbereiche sind nie richtig gediehen. BNP Paribas hat eine große und erfolgreiche Geschäfts- und Investmentbank, aber sie hat den Ehrgeiz, in relativ sicheren Bereichen stark zu sein. Der Erfolg des gemischten Geschäftsmodells von JPMorgan und Credit Suisse hat sich erst jüngst eingestellt – und folgt auf einige ausgesprochen mittelmäßige Jahre.

Schade, dass besseres Wissen immer so spät kommt. Zwischenzeitlich fehlt vielen Einheiten sowohl bei UBS als auch bei Citigroup eine angemessene Geschäftskultur. Es wird hart, diesen bereits lebenden Organismen die richtige DNA zuzuführen. Tatsächlich, es ist viel leichter, in den kulturellen Schlamassel zu rutschen, als ihn zu lösen.

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