Immobilienmarkt
Britische Wohnimmobilien: Vertrauenstrick

Das Ende des Käuferstreiks hat die durchschnittlichen britischen Immobilienpreise wieder leicht nach oben getrieben. Die guten Nachrichten könnten sich noch ein paar Monate fortsetzen. Allerdings basiert die Erholung auf außerordentlichen und zeitlich begrenzten Voraussetzungen. Das wahrscheinlichste Szenario deutet auf eher seitwärts gerichtete Preise und erhebliche Abwärtsrisiken. Selbst Optimisten sollten den Champagner noch auf Eis lassen.
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Trotz aller Veränderungen - es ist immer wieder das Gleiche. Die Nationwide- und Halifax-Indizes der britischen Immobilienpreise stiegen im Juli um 1,3 bzw. 1,1 Prozent - Nationwide legte schon zum vierten Mal innerhalb von 6 Monaten zu. Und nach Angaben der Bank of England kletterten die Hypothekenzusagen für Neubaufinanzierungen im Juni um 7,7 Prozent auf 47.584. Die Nachfrage nach Finanzierungen und der Prozentsatz der Bewilligungen nehmen zu. Ist die ersehnte Erholung auf dem britischen Immobilienmarkt also inzwischen tatsächlich Realität geworden?

Nicht wirklich. Diese Entwicklung wirkt eher wie ein Ende des Zusammenbruchs. Auf dem Tiefpunkt fielen die Hypothekenbewilligungen auf unter 30.000 pro Monat. Auf dem Höhepunkt sagten die Banken 120.000 Finanzierungen zu, als normal gelten etwa 95.000. Während der Talfahrt sanken die durchschnittlichen Immobilienpreise um 22 Prozent, wobei fast alle Kaufinteressenten, auch solche mit hohen Eigenkapitalanteilen, sich mit Investitionen zurückhielten und lieber erst einmal abwarteten.

Einige dieser kapitalstärkeren Käufer sind nun an die wiederbelebten Kapitalmärkte zurückgekehrt. Bei schwacher Nachfrage reicht das, um die Preise nach oben zu treiben. Die meisten Käufer allerdings verfügen nur über relativ geringe Barmittel.

Wer ein Haus oder eine Eigentumswohnung kauft, muss in der Regel ein Viertel des Immobilienwerts als Eigenkapital ansparen. Das sind gemessen an den aktuellen Durchschnittspreisen rund 37.500 britische Pfund. Für viele britische Verbraucher, die immer noch mit dem Abbau von Schulden zu kämpfen haben, ist das keine leichte Aufgabe. Hinzu kommt, dass eine Immobilie noch immer rund das Fünffache eines durchschnittlichen Jahreseinkommens kostet und damit deutlich teurer ist, als es dem langjährigen Durchschnitt von 3,7 Jahreseinkommen entspricht.

Die aktuellen Hypothekenzinsen spiegeln das niedrige Zinsniveau und die moderaten Zinsspannen. Aber auf den britischen Banken lastet der Druck, ihre Kapitalbasis zu verstärken, die Kreditexposition zu senken und gleichzeitig dafür zu sorgen, dass die Eigenkapitalrendite nicht schrumpft. Im Klartext heißt das: mit weniger Ausleihungen höhere Gewinne erwirtschaften - oder in anderen Worten teurere Hypotheken.

Wenn die Hypotheken teurer werden, während viele Eigentümer sich entschließen, bei den anziehenden Preisen zu verkaufen, dann dürfte der kleinen Rallye schnell wieder die Puste ausgehen. Die in Großbritannien verbreitete Sehnsucht nach dem nächsten Immobilienboom müsste dann auf den nächsten Kreditirrsinn warten. Gegenwärtig setzen die Aufsichtsbehörden jedoch alles daran, eine solche Entwicklung zu verhindern.

Ein deutlicher Rückgang ist jedenfalls wahrscheinlicher als ein starker Anstieg. Der nächste Finanzschock, höhere Inflation oder einfach höhere Steuern könnten die Immobilienkäufer Geld und Vertrauen kosten. Das Preis-Jo-Jo könnte also weiter - und noch länger - nach unten rollen.

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