Implizite Garantien
Ein flüchtiges Zwinkern

Stillschweigend gegebene Garantien, mit denen etwa die US-Regierung den Immobilienfinanzierer Fannie Mae oder die Banken den Markt für Auction-Rate-Anleihen stützten, funktionieren am besten in Boom-Zeiten. Während eines Abschwungs sinkt ihr Wert unter den des Papiers, auf dem sie nicht geschrieben stehen.

Implizite Garantien, mit denen etwa die US-Regierung den Immobilienfinanzierern Fannie Mae und Freddie Mac den Rücken stärkt, die Banken zunächst den Markt für Auction-Rate-Anleihen gestützt hatten und mit denen die Asset Manager hinter ihren Geldmarktfonds stehen - funktionieren am besten in optimistischen Boom-Tagen. In harten Zeiten kann ihr Wert unter den des Papiers sinken, auf dem sie nicht geschrieben stehen.

Einige dieser stillschweigend gegebenen "Versprechungen" sind vielleicht nicht reell, aber sie sind wichtig. Das Geschäftsmodell von Fannie Mae gründet gar auf der Tatsache, dass der Immobiliengigant aufgrund der impliziten Garantie der US-Regierung viel billiger Kapital sammeln kann, als er angesichts der Risiken, die er eingeht, sollte.

Darüber hinaus gibt es eine Vielzahl von Gründen, warum die Leute diesen Versprechen Glauben geschenkt haben könnten. Sie könnten sich auf die historische Entwicklung verlassen haben - schließlich hat Fannie sieben Jahrzehnte lang reibungslos seine Arbeit verrichtet. Ein Grund könnte darin liegen, dass die Garantien in der Vergangenheit tatsächlich erfüllt wurden - mehrere Asset Manager hatten Geldmarktanleger gerettet, als der Wert ihrer Fonds das Ausschlag gebende Niveau von einem Dollar je Aktie durchbrochen hatte. Oder es könnte an dem Glauben gelegen haben, dass ein Nicht-Erfüllen der Garantie unweigerlich ins Chaos führen würde.

In einer Finanzkrise will allerdings jeder wissen, bei wem der schwarze Peter landet. Aber wie soll man das bestimmen, wenn kritische Engagements durch verstohlenes Zwinkern und Zunicken entstehen?

Die Anleger sollten als erste Schutzmaßnahme ein wenig Skepsis walten lassen. Die Investoren in Auction Rate Securities, also in Anleihen mit langer Laufzeit, deren Zinssatz aber in kurzen Abständen bei Auktionen neu festgesetzt wird, hätten sich fragen sollen, welches Risiko sie denn eingingen, um eine höhere Rendite zu erhalten. Jetzt wissen sie, dass es die Gefahr eines illiquiden Markts war. Die Aktionäre von Fannie hätten sich die Frage stellen müssen, ob sie wirklich einen Platz in irgendeinem von der Regierung gesteuerten Rettungsboot ergattern würden. Die Anleihe-Inhaber werden unterkommen, aber die Aktionäre wissen jetzt, dass sie den Haien zum Fraß vorgeworfen werden.

Trotz all dieser Lektionen setzen immer noch viele ihr Vertrauen in implizite Garantien. Geldmarktkonten werden weithin als Bargeld betrachtet. Und viele sind der Meinung, dass einige Banken zu groß sind, um zu scheitern. Allerdings ist es durchaus denkbar, dass ins Trudeln geratene Asset Manager den Wert ihrer Fonds doch unter einen Dollar fallen lassen könnten. Und die Regierung könnte zu der Entscheidung gelangen, dass es einfach zu teuer ist, alle großen Banken zu stützen. Wie die momentane Krise gezeigt hat, kann es teuer werden, wenn man seine Überzeugungen nicht hinterfragt.

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