Investitionen
Warren Buffett unter Dampf

Was erwartet sich Warren Buffett von den Eisenbahnen? Der Investor zahlt einen üppigen Aufschlag, um den US-Bahnbetreiber Burlington Northern Santa Fe zu schlucken. Das ist nicht notwendigerweise ein Signal dafür, sich jetzt eilig auf den Sektor zu stürzen.
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So wie die Transaktion gestaltet ist - mit einem Aufschlag um 31 Prozent gegenüber dem Marktkurs von Burlington vom Montag -, erscheinen andere amerikanische Eisenbahnbetreiber als relativ billig. Stifel Nicolaus rechnet damit, dass zum Beispiel für die Aktien von CSX ein Aufwärtspotenzial von mehr als 30 Prozent bestehen könnte, wenn die Investoren die Sektorbewertungen an dem Deal zwischen Berkshire und Burlington festmachen - und zwar nach den Kurssteigerungen, die die Aktien der Konkurrenten ohnehin schon verbucht haben, nachdem die Transaktion von Buffett bekannt gegeben worden war.

Doch ganz so einfach ist es nicht. Buffett hat zwar jetzt seine Eisenbahn. Aus kartellrechtlichen Gründen dürfte der Kauf einer zweiten aber höchstwahrscheinlich ausgeschlossen sein, selbst wenn der Investor noch eine wollte - und Burlington gilt ohnehin als einer der Topnamen in der Branche. Wettbewerbsrechtliche Bedenken dürften zudem eine Konsolidierung innerhalb des Sektors behindern.

Gleichzeitig sind Investoren, die sich auf fremdfinanzierte Übernahmen einlassen, in diesem Tagen dünn gesät. Genau so wie aktivistische Investoren wie der Children?s Investment Fund, der sich Anfang des Jahres zurückzog, nachdem er sich 18 Monate lang mit dem Management von CSX angelegt hatte. Es liegt also offensichtlich kein Grund vor, die Konkurrenten von Burlington im Bahngeschäft mit einer M&A-Prämie zu versehen.

Doch es gibt einen allgemeinen ökonomischen Aspekt. Die Volumina im Eisenbahntransport und die Preisgestaltung präsentierten sich während der Rezession nachgebend. Doch sie könnten jetzt zumindest die Talsohle erreicht haben. Die bereinigten Einnahmen von Burlington wiesen im dritten Quartal mit 3,6 Mrd. Dollar zwar ein Minus um 27 Prozent im Vorjahresvergleich auf. Gegenüber dem vorhergehenden Quartal sind sie allerdings um acht Prozent gestiegen, berichtet BMO Capital Markets.

Es ist verlockend, auch noch andere Möglichkeiten ins Spiel zu bringen. Der Schienenverkehr ist umweltfreundlicher als der Transport per Lastwagen. Daher besteht die Chance, dass die Regierung unter US-Präsident Obama Investitionen durch die stark regulierte Eisenbahnindustrie unterstützt. Und unter einem weiteren Gesichtspunkt könnten, wenn die Autarkie Amerikas in Energiefragen mit Nachdruck verfolgt wird, neue Kohlekraftwerke gebaut werden. Dadurch wiederum könnte die Menge an zu transportierender Kohle ansteigen.

Doch die Speditionsbranche, die ohnehin unter Überkapazitäten leidet, wird nicht kampflos aufgeben. Und es wird Zeit in Anspruch nehmen, bis eine Erholung Fuß fasst, besonders in den Transportsegmenten, die im Zusammenhang mit Verbrauchsgütern stehen. Bestenfalls wird Buffetts kostspieliger Deal erst mit der Zeit Früchte abwerfen. Nachahmer, die sich kurzfristig auf den Sektor stürzen, könnten enttäuscht werden.

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