Jack Welch
Haltet doch den Mund

Kühne Taten und kaum vorhandene Hemmungen haben dem ehemaligen GE-Boss dazu verholfen, zum Superstar der Geschäftswelt aufzusteigen. Aber Jack Welch hätte sich mit zunehmendem Alter ein wenig Zurückhaltung antrainieren sollen. Dann würde er seinen Nachfolger Jeff Immelt vielleicht in Ruhe lassen. Dasselbe gilt für Sandy Weill und Alan Greenspan und andere Finanzstars, deren Strahlkraft langsam verblasst.

Ohne eine gigantische Dosis an Selbstbewusstsein wird man nicht zum Titanen der Industrie oder der Finanzwelt oder zum Superstar unter den Notenbankern. Jack Welch dient dafür als das beste Beispiel. Ein Grund dafür, dass der ehemalige Chef von General Electric (GE) in der Lage war, das Industrie- und Finanzkonglomerat zu immer neuen Höhen zu führen, war seine unerschütterliche Überzeugung, dass er immer auf dem richtigen Kurs war.

Welchs Selbstsicherheit erweist ihm im Ruhestand allerdings keinen solch guten Dienst. Sein Ruf hat darunter gelitten, was – weitgehend auf seine Eigeninitiative hin - über sein Eheleben an die Öffentlichkeit gedrungen ist und unter dem überzogen großzügigen Pensionspaket, das er für sich ausgehandelt hat. Seine indiskrete Kritik an Jeff Immelt, seinem Nachfolger an der Spitze von GE, in einem Fernseh-Interview schlägt in dieselbe Kerbe.

Der Vorwurf, Immelt enttäusche die Investoren, ist gerecht, aber Welch ist der falsche Mann, ihn vorzubringen. Nicht zuletzt deswegen, weil er die Erwartungen auf einen stetigen Ergebniszuwachs betonte, deren Erfüllung Immelt – in einem härteren Umfeld – Schwierigkeiten bereitet. Es bestand absolut keine Notwendigkeit dafür, dass der 72jährige überhaupt einen Kommentar abgibt, aber er war sicher davon überzeugt, dass er Recht hat.

Welch ist bei weitem nicht der Einzige, der die Nachteile eines übersteigerten Selbstbewusstseins demonstriert. Sandy Weill, der sein Amt als Chairman von Citigroup mitten in den Auseinandersetzung der Bank mit den Aufsichtsbehörden schwer angeschlagen abgegeben hatte, verbringt seinen Ruhestand größtenteils damit, uralte Rechnungen zu begleichen und gelegentlich deutlich zu machen, dass seine Nachfolger ihn enttäuscht haben.

Und dann erst Alan Greenspan. Sein stetiger Strom an Erklärungen zur derzeitigen Wirtschaftslage hat vielleicht dazu beigetragen, dass sich die selbstbeweihräuchernde Autobiografie des Ex-Chairman der US-Notenbank Federal Reserve besser verkauft. Aber sein immer defensiver werdender Ton lässt ihn weniger wie einen Weisen erscheinen, sondern erinnert eher an einen verblassenden Star, der es nicht erträgt, nicht mehr im Rampenlicht zu stehen.

Die Moral all dieser Geschichten ist einfach. Selbstbewusste Manager sollten im Alter Zurückhaltung üben. Wenn sie etwas Erhellendes zu sagen haben, dann bitte schön, heraus damit. Und wenn sie der Meinung sind, es sei erforderlich zu handeln, dann sollen sie ihre Ärmel aufkrempeln. Ansonsten sollten sie den Mund halten.

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