JP Morgan kürzt Dividende
Kürzen statt verbrennen

JP Morgan kürzt die Dividende. Das ist ein kluger Schritt, auch wenn Bank-Chef Dimon davon ausgeht, dass sein Institut in diesem Quartal schwarze Zahlen schreibt. Die Entscheidung einer der wenigen stärkeren US-Banken, sich vorsichtiger vorwärts zu bewegen, wirft allerdings ein Schlaglicht auf diejenigen, die weniger Spielraum haben, sich auf Schlimmeres vorzubereiten.

Mit der Entscheidung, die Dividende zu kürzen, sorgt JP Morgan dafür, dass dem Institut im Jahr zusätzlich fünf Mrd. Dollar im Säckel verbleiben. Das ist ein kluger Schritt, auch wenn der Bank-Chef Jamie Dimon davon ausgeht, dass seine Firma in diesem Quartal schwarze Zahlen schreiben wird - und zwar vielleicht sogar in der Höhe der derzeitigen Analysten-Prognosen, die im Mittel von einem Gewinn über 1,3 Mrd. Dollar ausgehen.

Dimon rechnet sogar damit, dass die Firma selbst dann noch "ein paar Dollar verdient", wenn sich die Wirtschaftslage weiter verschlechtert. Aber der Entschluss einer der wenigen, etwas stärkeren Banken, die in den USA noch verblieben sind, sich vorsichtiger vorwärts zu bewegen, wirft das Schlaglicht auf diejenigen zurück, die weniger Spielraum haben, um sich auf Schlimmeres vorzubereiten.

Citigroup und Bank of America, zum Beispiel, hängen schon in den Seilen. Beide Häuser mussten ihre Dividenden fast ganz streichen, um eine zweite Kapitalspritze - und Garantien für Vermögenswerte über Milliarden von Dollar - aus dem Troubled Asset Relief Programme der US-Regierung erhalten zu können. Und in den vergangenen Tagen hatten zuerst das Weiße Haus, und dann die Aufsichtsbehörden des Landes im Gleichklang, alle Hände voll zu tun, die Angst vor einer bevorstehenden Verstaatlichung zu beschwichtigen. Trotz alledem steht die Regierung angeblich kurz davor, zum dritten Mal in weniger als sechs Monaten bei der Citigroup zu intervenieren.

Darüber hinaus stammen die meisten der Probleme, die diese beiden Banken heimsuchen, aus Verlusten auf den Hypothekenmärkten. JP Morgan stärkt jetzt seine Bilanz für etwaige künftige Einbußen. Das bankeninterne Szenario für ein äußerst belastetes Umfeld - auch wenn Dimon betont, dass er davon nicht ausgeht - berücksichtigt eine Rezession von zwei Jahren, eine US-Arbeitslosenquote von über zehn Prozent und einen Rückgang der Häuserpreise von der Spitze bis zur Talsohle um 40 Prozent - oder um ein weiteres Viertel und darüber hinaus.

Sicher, sowohl Citigroup und BofA können, wie JP Morgan, auf starke Kernkapitalquoten und Reserven für Kreditverluste verweisen - das können andere auch. Aber die Investoren haben bereits bewiesen, dass sie solche Maßzahlen ignorieren, wenn das grundlegende Risikomanagement und die Entscheidungsfindung der Spitzenriege einer Bank schludrig aussehen. Dimon liefert nun die Argumente, dass seine Firma in Zukunft mit Verlusten umgehen können wird. Seine Konkurrenten haben die Märkte noch nicht davon überzeugen können, dass sie ihre vergangenen Fehler unter Kontrolle haben. Die Dividendenkürzung durch JP Morgan lässt sie jetzt sogar noch exponierter erscheinen.

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