Kolumne „Off Screen“
Geschäft mit Genuss

Von wegen der Printmarkt stirbt: Zwei Hamburger haben mit „Sehnsucht Deutschland“ eine Zeitschrift rund um Reisen und Genuss aufgebaut, die entgegen aller Prognosen wächst. Sie sind mit ihrem Erfolg nicht allein.
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Kein anderer Wirtschaftszweig redet sich so gerne schlecht wie die Medienbranche. Einen Pharmakonzern käme es nie in den Sinn, ständig über die angebliche Wirkungslosigkeit seiner Medikamente zu debattieren. Die Printbranche hingegen stimmt seit Jahren gebetsmühlenartig Todesgesänge des gedruckten Wortes an. Der unkundige Beobachter könnte fast den Eindruck gewinnen, als seien sämtliche Zeitungen und Zeitschriften dem Tod geweiht. Das Gegenteil ist der Fall.

Der deutsche Zeitschriftenmarkt ist der vielfältigste in Europa. Und die gute Nachricht: es gibt noch jede Menge Platz für Neugründungen. Das Kuriose dabei ist, dass di die Innovationen vor allem aus Unternehmen kommen, die ansonsten nicht die erst Geige spielen.

Prominentestes Beispiel ist die „Landlust“ aus dem Landwirtschaftsverlag Münster. Das Magazin rund um Themen wie Essen, Garten und Leben auf dem Land ist ein unglaublicher Erfolg – und das seit Jahren. Die Zahlen sprechen Bände: 2006 lag die Auflage noch bei gerade 130.000 Exemplaren. Im ersten Quartal dieses Jahres erzielte das Magazin eine Auflag von knapp 1,1 Millionen verkaufter Hefte.

Wie ausbaufähig der immer wieder totgesagte Zeitschriftenmarkt ist, zeigt auch der österreichische Marketing- und Getränkespezialist Red Bull aus Fuschl am See. Nach dem Erfolg von „Servus in Stadt und Land“ in der Alpenrepublik versuchen die Österreicher Ähnliches in Süddeutschland. Ihr Rezept geht auf.

Das Monatsmagazin mit Schwerpunkt Essen und Trinken, Land und Leute sowie Natur und Garten erzielte in Altbayern und Franken im ersten Quartal bereits mehr als 55.000 Exemplare – Tendenz steigend. Vor kurzem weitete die Red-Bull-Tochter ihre Aktivitäten nach Baden, Schwaben, Pfalz und Hessen aus und erhöhte ihre Druckauflage auf 150.000. Red Bull hat bei seinen Projekten seit jeher einen langen Atem. Das zeigt der Konzern aus dem Salzkammergut auch beim Fernsehen. Die TV-Tochter Servus TV ist der Versuch, qualitätsvolles Fernsehen auf privater Basis zu veranstalten. „Servus in Stadt und Land“ – eigentlich ein unmöglicher Name – steht vor diesem Hintergrund noch am Anfang seiner Karriere.

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