Kommentar
Faule Eier

Gerade schienen sich die Wogen des Finanzgewässers wieder zu glätten, da kommt Credit Suisse und präsentiert die nächsten fragwürdigen Händler, korrigiert das Ergebnis und gibt eine Gewinnwarnung heraus. Ein deutlicher Hinweis darauf, dass die Tiefen noch nicht wirklich ausgelotet sind und noch viele Haie lauern.

Es sah alles so gut aus, so lange es dauerte. Am Sonntag die Rettung Bear Stearns’ und dann bessere Ergebnisse als erwartet bei Goldman Sachs, Lehman Brothers und Morgan Stanley. Die Anleger im Finanzsektor schienen kurz vor Ostern wieder Grund zu haben für einen kleinen Freudenhopser. Dann aber legte Credit Suisse ihnen ein faules Ei ins Osterkörbchen.

Einige Händler, von denen man glaubte, sie hätten sich bei der Bewertung von Kreditsicherheiten unbeabsichtigt verrechnet, wussten bei genauerer Betrachtung offensichtlich ganz genau was sie taten. Das jedenfalls gab Credit Suisse am 20. März bekannt. Die Vermögenswerte der Bank mussten um 2,86 Milliarden Schweizer Franken (1,85 Milliarden Euro) wertberichtigt werden. Die Korrekturbuchungen lagen damit zwar um 7 Prozent unter den ursprünglichen Erwartungen, führten bei der Schweizer Bank 2007 aber dennoch zu Gewinneinbußen von 6 Prozent. Gleichzeitig warnte die Credit Suisse vor einem wahrscheinlichen Nettoverlust im ersten Quartal 2008, das damit zum ersten unprofitablen Vierteljahr seit dem 4. Quartal 2002 werden könnte.

Die Folgen für die Bank sind schlecht. Der Aktienkurs sank um 10 Prozent oder um den gleichen Wert, der schon vor einem Monat zu verkraften war, als die Bank die Wertberichtigungen zum ersten Mal ankündigte. Die Eigenkapitalquote nach Basel II Tier 1 (Kernkapital) wird unter die Zielgröße von 10 Prozent rutschen, allerdings immer noch deutlich über den geforderten 4 Prozent bleiben. Credit Suisse zahlt eine unveränderte Dividende, um ein gewisses Maß an Vertrauen aufrechtzuerhalten. Aber die Fehlerquote ist noch längst nicht im Griff.

Innerhalb von sechs Wochen verlor die Bank das Vertrauen, dass ihr nach einem schmerzhaften, vierjährigen Umstrukturierungsprojekt entgegengebracht wurde. Sie muss nun die internen Kontrollen umgestalten, um erneut für gutes Wetter zu sorgen. Die Bewertungsfehler betrafen vor allem die Kreditportfolios (CDOs), die seit Ende des vergangenen Jahres unter scharfer Beobachtung standen. Wenn Credit Suisse die Probleme nicht gesehen hat, obwohl genau dieses Instrument argwöhnisch verfolgt wurde, muss sie sich nicht wundern, dass Investoren bei Geschäftsfeldern misstrauisch werden, denen die Bank weniger Aufmerksamkeit widmet.

Die Verlegenheit, in der sich die Credit Suisse heute befindet, ist für Konkurrenten kaum nachvollziehbar. Noch im Februar gab die Bank an, Gewinne zu erwirtschaften, trotz der Sonderabschreibungen. Aber die Verhältnisse drehten sich im März offenbar so weit, dass die Bank in die roten Zahlen rutschte. Mit anderen Worten, Goldman, Lehman und Morgan Stanley, die ihr Geschäftsquartal im Februar beendeten, sind wahrscheinlich denkbar schlecht in die nächste Berichtsperiode gestartet. Die Situation macht auch deutlich, dass das unsichere Bankenumfeld noch nicht der Vergangenheit angehört. Wenn eine angesehene Institution wie Credit Suisse ihre Probleme schon nicht in den Griff bekommt, kann man von anderen kaum erwarten, dass sie nicht auch ein paar faule Eier im Nest haben.

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