Konjunkturbarometer
Erholung zwischen Röstkaffee und Arme-Leute-Essen

Steigende Ölpreise und Aktienkurse scheinen die Wende anzukündigen. Aber außerhalb der Finanzmärkte sind die Nachrichten eher gemischt. Was Baked-Beans-Umsätze, Starbucks-Preise und die Zahl der neuen Single-Wohnungen in den USA über die Konjunktur verraten.
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Am 21. August verkündete Ben Bernanke „die Aussichten, in der nächsten Zeit wieder zum Wirtschaftwachstum zurückzukehren, scheinen gut.“ Der Optimismus des Zentralbankers enthält gleich mehrere Einschränkungen: Aussichten, in der nächsten Zeit, scheinen. Aber auf solche Feinheiten geben die Finanzmärkte nichts; Ölpreise und Aktien stiegen beide. Ein typisches Bild in diesen Tagen. Die Finanzwelt ist in Konjunkturerholungsstimmung, während die Wirtschaftsnachrichten aus der realen Welt immer noch gemischt ausfallen.

Der Breakingviews.com-Green-Shoots-Spooter kletterte in der vergangenen Woche von 2,4 auf 2,6. Das ist bereits die fünfte Woche, in der das Konjunkturbarometer zwischen “weniger schlecht“ und „stabil“ steckenbleibt. Während die Wirtschaft inzwischen die „immer noch schwerwiegenden Probleme (1 auf der GSS-Skala)“ überwunden hat, sind die Ziele „geringes Wachstum (4 auf der GSS-Skala)“, geschweige denn „schnelle Erholung (5 auf der GSS-Skala)“ noch weit entfernt.

Das lässt sich an den Bohnen ablesen. Die Umsätze mit dem Arme-Leute-Essen Baked-Beans wachsen langsamer, seit sich die Konsumenter wieder weniger arm fühlen. Aber gemessen an Kaffebohnen ist Luxus immer noch out. Starbucks kürzt einen Teil seiner Preise.

Der Green Shoot Spotter ist nun 17 Wochen alt und reif für eine kleine Herbst-Überholung. Vor allem die Kategorien könnten neue Namen brauchen. Vorschläge sind willkommen.

Immer noch schwerwiegende Probleme (1 auf der GSS-Skala)

1. Zahlungsverzüge und Kreditausfälle im US-Kreditkartengeschäft von Capital One Financial Corp stiegen im Juli. (17. August)

2. Der US-Einzelhändler Target meldete zum achten Mal in Folge einen Rückgang seiner Quartalsgewinne. (18. August)

3. Das US-Agro-Konglomerat Cargill gab bekannt, dass sein Jahresergebnis zum ersten Mal seit acht Jahren rückläufig war und warnte, die Auswirkungen der globalen Wirtschaftskrise könnten “noch eine Weile anhalten”. (18. August)

4. „Die schwierigste Finanzierungsphase steht uns im ersten und zweiten Quartal 2010 bevor“, glaubt Hartmut Schauerte, Staatssekretär im deutschen Wirtschaftsministerium. (18. August)

5. Die US-Warenhauskette für Luxusgüter Saks musste im zweiten Qurtal steigende Verluste hinnehmen. Die Umsätze auf vergleichbaren Flächen fielen um 15,5 Prozent. (18. August)

6. S&P meldete, dass in diesem Jahr bereits die Rekordzahl von 201 Schuldnern mit Krediten über insgesamt 453 Milliarden Dollar zahlungsunfähig wurden. Die Zahl von 126 Ausfällen im Gesamtjahr 2008 wurde dadurch schon deutlich übertroffen. (19. August)

7. Sony reduzierte den Preis seiner PlayStation 3, nachdem die Umsatzzahlen zurückgegangen waren. (19. August)

8. Die Anträge auf staatliche Arbeitslosenunterstützung stiegen in der vergangenen Woche um 15.000 auf saisonbereinigt 576.000 (20. August)

9. Die Nettokreditaufnahme des öffentlichen Sektors in Großbritannien erreichte im Monatsverlauf 8 Milliarden britische Pfund und damit weitaus mehr als Analysten erwartet hatten, die von einem Defizit in Höhe von 500 Millionen Pfund ausgegangen waren. (20. August)

10. Starbucks kündigte an, zum ersten Mal die Preise einiger seiner Getränke zu senken. (21. August)

11. Nach größer als erwarteten Verlusten im ersten halben Jahr warnte das dänische Logistikunternehmen AP Moller-Maersk die Branche vor „einer Krise von historischen Ausmaßen“. (21. August)

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