Kreditgeschäft
Eigenkapitalrenditen: Die neuen Stiefkinder

Früher verbuchten Investmentbanken Eigenkapitalrenditen von 20 Prozent und darüber. Doch auch wenn diese Firmen in der ersten Jahreshälfte wieder vorwärts stürmten, könnten rachsüchtige Aufsichtsbehörden die Eigenkapitalrenditen kräftig in die Knie zwingen. Dadurch könnte sogar das langweilige alte Kreditgeschäft mit Privat- und Firmenkunden wieder reizvoll erscheinen – zumindest für eine gewisse Zeit.
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Die Investmentbanken mögen kerngesund erscheinen. In der ersten Jahreshälfte verbuchten viele von ihnen hervorragende Ergebnisse. Unterstützt wurden sie dabei von weiten Handelsspannen und sich erholenden, wenn auch immer noch schwankungsanfälligen Märkten. Jetzt allerdings erscheint ein hartes Durchgreifen der Aufsichtsbehörden fast sicher. Neue Erhebungen von JP Morgan erinnern an den Druck, der sich daraus für die Gewinne der Investmentbanken ergeben könnte.

Acht mögliche Angriffspunkte der Bankenaufseher haben die Analysten der US-Bank ausgemacht. Sie reichen von den Basel II-Reformen zum Eigenkapital - wie etwa zunehmende Risikoaufwendungen, die die risikogewichteten Aktiva verdreifachen könnten - bis hin zu einer Reihe von Maßnahmen, die auf eine Minderung der Risiken beim Handel mit Derivaten abzielt. Die Auswirkungen auf die wahrscheinlichen Eigenkapitalrenditen der Investmentbanken bis 2011 sind nicht schön.

So wie es aussieht, dürften Goldman Sachs und Morgan Stanley 2011 Eigenkapitalrenditen von 18 Prozent bzw. 17,4 Prozent ausweisen. Aber wenn die Branchenaufsicht so hart vorgeht, wie es JP Morgan befürchtet, könnten diese Kennzahlen auf 13,6 Prozent bzw. 12,6 Prozent schrumpfen. Und die bislang glanzvoll agierenden Handelsabteilungen der Universalbanken schneiden sogar noch schlechter ab: Die Eigenkapitalrendite von Barclays Capital sinkt von 15,1 Prozent auf 10,8 Prozent. Und die Eigenkapitalrendite im Investment Banking der Deutschen Bank verringert sich von zehn Prozent auf nur noch 6,7 Prozent.

JP Morgan mag die Risiken überbetonen. Trotzdem könnten einige Universalbanken - die sowohl über das traditionelle Kreditgeschäft als auch über Investment Banking-Sparten verfügen - in ein interessantes Dilemma geraten. Während sich die negativen Auswirkungen des Wirtschaftsabschwungs auf das gewöhnliche Kreditgeschäft in den nächsten Jahren abschwächen und der Druck der Aufsichtsbehörden auf die Handelsbücher zunimmt, könnte das Investment Banking sowohl riskanter als auch weniger rentabel als die direkte Kreditvergabe erscheinen.

Nehmen wir Barclays. Stellen wir uns vor, die Wertminderungen der Vermögenswerte fielen auf ihre langjährige Norm zurück und die Basiszinsen erreichten wieder 4,5 Prozent. Von ihrer derzeitigen Tier 1-Eigenkapitalquote von 8,8 Prozent aus könnte die Bank in ihrer Gesamtheit mindestens ihre Eigenkapitalkosten von 12,5 Prozent und möglicherweise auch noch einige Prozentpunkte mehr erwirtschaften, berichtet eine mit der Angelegenheit vertraute Person. Doch wenn man die Annahmen von JPMorgan ins Kalkül zieht, dann würde die Investment Banking-Sparte von Barclays nur noch eine Eigenkapitalrendite von knapp über zehn Prozent erreichen und damit möglicherweise weniger als der Privatkundenbereich.

Die Vorstellung ist schon ziemlich weit hergeholt, dass sich Firmen wie Barclays, die schließlich erst vor kurzem Teile von Lehman Brothers gekauft hat, oder wie die Deutsche Bank sich eilends von ihren Handelsbereichen trennen. Einfallsreiche Investmentbanker werden wahrscheinlich Wege finden, um jeden ernsthaften Verlust der Rentabilität einzudämmen. Und außerdem könnten die Gewinne aus dem gewöhnlichen Kreditgeschäft ebenfalls von den Angriffen der Branchenwächter in Mitleidenschaft gezogen werden.

Trotzdem könnte ein hartes Durchgreifen der Regulierer mit Schwerpunkt auf dem Investment Banking deren Akteure bei einigen Universalbanken wie die neuen Stiefkinder aussehen lassen. Das wäre doch einmal eine echte Wende.

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