B.wertet
Im Netz fehlt die Diskussionskultur

Meinungsaustausch im Internet ist an sich zu begrüßen, aber der Stil hat sich in eine falsche Richtung entwickelt: Statt sich hinter Pseudonymen versteckt Bosheiten auszutauschen, wäre ein Mehr an Höflichkeit nötig.
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Warum eigentlich sind wir im täglichen Miteinander so ruppig – geradezu brutal – geworden? Ich träume nicht von einer heilen Welt, aber könnten wir es uns alle nicht ein wenig einfacher machen, wenn wir zuvorkommender wären? Wenn wir einen höflichen und von gegenseitigem Respekt und Achtung geprägten Umgangsstil pflegten? Wäre das Leben dann nicht ein ganzes Stück lebenswerter, ohne dass uns das allzu viel abverlangte?

Das Internet und seine Diskussionsforen scheinen besondere Verlockung zu bedeuten für jene, welche ihren Frust ungehemmt und ungebremst in die Tastaturen klopfen ohne die einfachsten Höflichkeitsformen zu beachten. Anonym natürlich. Denn allzu selten haben Kommentatoren, die weit unter der Gürtellinie agieren, die Courage, ihre Identität preis zu geben. Worin liegt wohl deren Feigheit begründet?

Schließlich ist es ein von Anfang an höchst ungleiches Spiel, das da im Netz betrieben wird: Auf der einen Seite der namentlich genannte und oftmals mit seiner Biographie bekannte Autor, auf der anderen Seite die sich hinter Pseudonymen verbergenden „Wutbürger“. So erwünscht Anregungen, Ideen und Gegenvorschläge sind, so bereichernd abweichende Positionen für unsere Meinungsbildung wären, so erschreckend wenig entwickelt erscheint mir häufig die Diskussionskultur.

Man müsste sogar sagen, die Diskussionskultur fehlt im Netz gänzlich. Denn leider viel zu oft vergreifen sich die Kommentatoren doch ganz entschieden im Ton, verstecken sich feige hinter ihren Pseudonymen.  Mir würden beim Lesen oft ganz andere Bezeichnungen für die Urheber einfallen. Aber, in Anbetracht der eingangs erbetenen und insgesamt erwünschten Höflichkeit möchte ich hier nicht präziser werden.

Was ist so beglückend daran, wenn man jahrelang aufgestauten Frust frei von der Leber fließen lässt und dabei oftmals persönlich verletzend, beleidigend, diffamierend wird. Was gibt es einem, sein Gegenüber derart aggressiv anzugreifen? Wo bleibt der Mut, zu seinen Äußerungen zu stehen? Verleitet gerade die Anonymität zu diesen Tiefschlägen?

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Kommentare zu " B.wertet: Im Netz fehlt die Diskussionskultur"

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  • Da hat wohl die Frau "Bortenlänger" in Anbetracht ihrer Gefühle, dass falsche (Loch) im Forum erwischt?
    An Meinungsaustausch von Gutbürgern im Netz, fehlt es doch wirklich nicht.
    Man muss immer dabei berücksichtigen, das es Laien sind, welche sich zu diesen oder anderen Themen äußern.

  • @ CB – Sie haben ja unbedingt recht! Und wie die gesitteten Kommentare meiner Vorredner zeigen, haben Sie auch schon etwas bewirkt. Ich bemuehe mich meistens, sachlich zu sein, aber auch ich kann den Verlockungen oft nicht widerstehen und reagiere meinen Frust ab, indem ich gelegentlich Politiker beschimpfe. Auch Autoren habe ich vielleicht schon beschimpft. Aber irgenwie brauchen wir Wut- und Frustbuerger unser Ventil. Wir sind eben nur vergaengliche und schwache Kreaturen des Staubes. Trotzdem, danke fuer die Mahnung. Ich werde sie beherzigen.

  • Sehr geehrte Frau Bortenlänger,
    ich finde Ihren Artikel sehr treffend. Da Sie den Vergleich zu "altertümlichen" Leserbriefen herstellen, könnte man einen Schritt weitergehen und ausgewählte Kommentare, die den Ansprüchen an einen Leserbrief gerecht werden, in einer eigenen Leserbriefspalte veröffentlichen. Damit würde ich mir die bisherige Mühe ersparen, mich seitenlang durch langweilige Kommentare durchkämpfen zu müssen, in der Hoffnung, einen anregenden Gedanken zu finden. Sicher macht das Arbeit und erfordert einen zusätzlichen Redakteur, aber für die Zeitung wäre dies ein großer Gewinn.
    Beste Grüße
    Ulrich Remmlinger

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