Connellys Corner
Schluss mit Quotentanz

Die unsägliche Diskussion über eine Frauenquote sollte beendet werden. Es müssen endlich Fakten her. Wir brauchen eine Quotenregelung.
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Was ein Eiertanz, um endlich mehr Frauen in Führungspositionen zu bringen. Nun haben wir dafür eine individuelle Zielsetzung der 30 Dax-Konzerne, die allerdings nicht für Aufsichtsräte und Vorstände gilt. Somit bleiben die eigentlichen Machtzentren außen vor und die „good old boys“ unter sich. Die Einhaltung der Ziele soll aufgrund des Öffentlichkeitsdrucks gewährleistet werden. Geht's noch eine Spur lächerlicher? Ohne spürbaren gesetzlichen Zwang ist es ein Leichtes, sich wieder herauszureden. Und eine geplante Strafzahlung lässt sich zu leicht verschmerzen.
Die selbstgesteckten Ziele der Unternehmen sind meines Erachtens keine geeigneten Maßstäbe. Es sind Vorgaben, die die Unternehmen für gut machbar halten. Das bedeutet, es geht noch viel mehr. Die Messlatte muss höher gelegt werden, dann werden die Anstrengungen ernsthafter. Dies geht nur mit einer gesetzlichen Quote.
Um was es wirklich geht ist ein wahrhafter Sinneswandel in unserer Gesellschaft. Künftig gilt es, Frauen gezielt auf Führungspositionen anzusprechen, sie aufzufordern und zu ermutigen, sich der Aufgabe zu stellen. Wir brauchen mehr weibliche Vorbilder, die Mädchen zeigen, dass Kind und Karriere machbar sind. Dies hat auf mich nachhaltig gewirkt, als ich dies während meiner beruflichen Anfänge in den USA mit Erstaunen gesehen habe. Es hat mich ermutigt, das gleiche zu wagen und ein erfüllteres Leben zu führen. Nebenbei lässt sich unser demographisches Problem der geringen Geburtenrate hierzulande besser in den Griff bekommen.
Das oft zitierte wichtige Qualifikationsmerkmal bei der Suche nach der geeigneten Positionsbesetzung ist scheinheilig. Der angesehene Telekom-Vorstand Sattelberger stellt in einem Interview fest, dass "Karrieren beim Pinkeln gemacht werden". Zugegeben, es herrscht ein Mangel an weiblichen Experten, vor allem in technischen Berufen. Dieser Fachkräftemangel ist aber geschlechtsneutral. Es ist Zeit, innovativ zu werden, nachzubessern. Firmen können bei der fachlicher Qualifikation aktiv durch eigene oder externe Programme nachbessern. Eine höhere Akzeptanz von Seiteneinsteigern und Menschen mit unorthodoxen Lebensläufen ist angebracht, nicht Nase rümpfen! Unsere exportstarke Nation profitiert von der bunten weiten Welt. Sie ist aber nicht bereit, eine buntere Arbeitswelt zu akzeptieren.
Die Ängste vieler Männer, selbst diskriminiert zu werden, ist nur auf den ersten Blick verständlich. Wenn Frauen in Führungspositionen selbstverständlich sind, nimmt es den Druck von Männern, Karriere machen zu müssen, um sozial angesehen zu sein. Es bietet viel mehr Gestaltungsspielraum bei der Lebensplanung beider Geschlechter. Es erlaubt Paaren ihre jeweiligen Stärken gezielt zu nutzen. Wenn Männer sich für eine aktive Vaterrolle entscheiden und das Geldverdienen ihren Frauen überlassen, sollte dies eine persönliche Entscheidung sein. Diese gilt es zu respektieren und nicht zu belächeln. Das Selbstwertgefühl intelligenter Männer sollte sich nicht über eine Visitenkarte definieren müssen.
Ach ja, und vergessen wir nicht die ungeliebte Quotenfrau. So what! Im Job gilt es sich zu beweisen. Das gilt für alle. Wenn wir erst mal soweit sind, neben den Anzugträgern Kostümträgerinnen zu akzeptieren, dann entfällt die unsägliche Quotendiskussion. Und wir konzentrieren uns auf die wesentlichen Dinge beim Tanz durch das Leben.

Anne Connelly ist Marketingdirektorin Europa von Morningstar. Bevor sie 2001 zu dem internationalen Researchhaus wechselte war sie unter anderem bei der Fondsgesellschaft Pioneer Investments in verschieden Positionen tätig.

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  • Ein hervorragender Beitrag, der die Sache auf den Punkt trifft. Die Frauenquote ist längst überfällig und das Gebot der Stunde, hier alte "Werte" zu erneuern. Was machen denn neue männliche Vorstandsvorsitzende? Unternehmensberater, Personalabbau & Co. Die Strategien sind menschen-, männer- und frauenfeindlich. Krankheitsausafälle durch Arbeitsverdichtungen und Druckkulissen sind mittlerweile Stand der Dinge in unseren Arbeits"kulturen".
    Eine "Selbstverpflichtung" würde wieder nur die Top-Positionen entlasten und sie würden in den Hierarchieebenen darunter agieren. Das wäre der falsche Weg. Ganz oben müssen die Hebel gesetzt werden.
    Eine Frauenquote von mindestens 50% in Aufsichtsräten und Vorständen bis 2013 oder Sondersteuern in Millionenhöhe - das ist die richtige Strategie, die hier greift. Weiter die Wirtschaft und die Vorstände zu pampern ist der falsche Weg.

  • Jawohl, der Tanz um die Quote ist lächerlich, aber andersherum. Wenn die Anzahl der Frauen im höheren Managemnet der Firmen wirklich ein Kriterium für wirtschaftlichen Erfolg wäre, dann hätte sich diese neue Besetzung schon längst durchgesetzt. Sie glauben doch nicht ernsthaft, dass die Anleger sich mit niedrigeren Renditen zufrieden geben nur um die Frauen nicht in Führungspositionen kommen zu lassen. Übrigens: wenn Frauen denn so überlegen sind: warum gründen sie dann keine eigenen Firmen, mit von mir aus nur noch Frauen im Management, Aufsichtsrat und Vorstand. Hätte doch keiner was dagegen. Es geht in Wirklichkeit nur darum sich in vorgewärmte Sessel zu setzen und die männlichen Kandidaten draußen zu halten. Das ist Rassismus übelster Art.
    Das ist wie bei den Frauenparkplätzen. Mit dem Argument dass Frauen regelmäßig in deutschen Parkhäusern überfallen und vergewaltigt werden sichert man sich die günstigsten Plätze direkt an der Tür. Das ist bei Frauen eben so: da wo sie dem offenen Wettbewerb nicht gewachsen sind, müssen sie eben über die Schwächen und das Mitleid gehen. Ich freue mich schon auf die Frauenquote in der Fußballmannschaft. Das ist doch ungerecht dass die Männer schneller laufen und härter schießen können. Eigentlich ist es für manche schon ungerecht als Frauen geboren zu werden. Und daran sind dann auch wieder die Väter schuld ! Das muss man auch ändern !

  • Man sollte endlich anfangen, auch schon zu Schulzeiten den Grundstein für mehr Frauen in Spitzenpositionen zu legen. Heute heißt es: ab 11. Klasse ist Schule gehen ein Privatvergnügen?! z.B. hat eine alleinerziehende Mutter 3 Kinder, die aufs Gymnasium gehen. Soll ich da zu meinen begabten lernwilligen Kindern sagen, nein, ich kann mir das nicht leisten, weil ich keinen Unterhalt für euch bekomme und mein Verdienst nicht ausreicht um die Fahrkosten zur Schule zu decken und alles andere auch. Was macht Frau: sie arbeitet bis zum Umfallen, um ihren Kindern ein Abitur zu ermöglichen und damit den Kindern eine Berufsausbildung, die vielleicht irgendwann in den Führungsetagen endet, zu ermöglichen. Lieber Vater Staat, reformiere erst mal dein Schulsystem und biete den Kindern, die wirlich was bewegen wollen in diesem Staat, eine vernünftige Unterstützung, gerade wenn die Mutter oder der Vater alleinerziehend ist. Ansonsten denke ich, wird es jede Frau schaffen, die es auch schaffen will. Und Männer, traut mal was den Frauen zu und gebt auch wieder Frauen eine Chance, die nach den Erziehungsjahren wieder einsteigen und richtig mitarbeiten und Karriere machen wollen. Das sind nicht nur Muddis am Herd, das sind gestandene Weibsbilder, die wirklich was können.

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