Der Ver(un)sicherer
Der Kfz-Irrsinn

Die Wechselsaison bei der Kfz-Versicherung läuft auf Hochtouren. Die Versicherer muten ihren Kunden und den eigenen Vermittlern dabei absurde Vorgaben zu. Über den alltäglichen Wahnsinn der Assekuranz.
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Seit einigen Wochen befinden sich die Versicherungsvermittler wieder in der Karnevalszeit. Die Hochsaison des Prämienkampfes geht zwar in der Regel nur bis zum 30. November, aber das sind immer noch gut vier Wochen Irrsinn. Schließlich wird im Moment der gesamten Bevölkerung durch penetrante Werbung eingebläut, dass derjenige irre sei, der jetzt nicht mit seiner Kfz-Versicherung zu einem anderen Versicherer wechseln würde.

Man könnte aber auch meinen, der Irrsinn bestünde darin, dass Verträge verkauft werden, die kaum noch jemand nachvollziehen kann: Je nach Wohnort, Fahrzeugtyp und Alter ist die Prämie zum Beispiel mal höher oder niedriger. Auch macht es sich bei der Prämie bemerkbar, ob einer Kinder hat, ein Eigenheim oder eine Bahncard besitzt, das Auto in einer Garage, einem Carport oder auf dem Gehsteig übernachtet.

Je nachdem muss der Kunde mal mehr oder weniger bezahlen. Übrigens, die Autofarbe spielt in Spanien eine Rolle für die Höhe der Prämie und das Sternzeichen (das Sonnenzeichen, nicht der Aszendent) ist für manche Tarife in Großbritannien wichtig.

Es ist also nicht leicht, sich in diesem Tarifdschungel zurechtzufinden. Und erst recht ist es für den Vermittler eine Herausforderung, den für den Kunden genau passenden Tarif herauszusuchen. Diejenigen Vermittler, die mehr leisten, als einfach nur die Eckdaten des Kunden in ein Computerprogramm einzugeben, machen eine anspruchsvolle Arbeit.

Da würde man doch annehmen, dass qualifizierte Vermittlungsleistung dann auch dementsprechend honoriert werden würde. Aber Nein! Von Kfz-Verträgen kann kein Vermittler leben. Im Gegenteil. Eigentlich muss ein Vermittler draufzahlen, der ernsthaft mit hoher Qualität diese Verträge vermitteln will.

Der übliche Einwand ist dann: „Kfz ist doch der Türöffner für andere Verträge! Das rechnet sich dann schon!“ Das stimmt aber nur für den Fall, wenn der Kunde wirklich auch noch andere Verträge benötigt. Dieses „Türöffnerargument“ ist aber bei genauerer Betrachtung echter Unfug.

Würde dieses Argument greifen, dann wäre die Provision einer privaten Rente auch deshalb so hoch, damit der Vermittler es sich dann auch erlauben kann, Kfz-Verträge zu vermitteln. Aber warum soll ich als Kunde, der eine Rente kauft, das Kfz-Geschäft indirekt bezuschussen? Besonders, wenn ich gar keinen Kfz-Vertrag mehr brauche?

Kommentare zu " Der Ver(un)sicherer: Der Kfz-Irrsinn"

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  • Tja, allerdings bekommt der Vermittler nur die 20 €, wenn der Kunde auf einmal seine Kfz-Prämie bezahlt! Wenn er monatlich zahlt - bekommt der Vermittler jeden Monat einn Zwölftel dieser Provision! D. h. er muss ein ganzes Jahr warten, bis dioe 20 € vollständig geflossen sind! Ist das gerecht??

  • Weil die durchschnittliche Provision bei ca. 20,- € liegt. Und jetzt dürfen Sie überlegen, wie das Kickback zustande kommt!

  • Wieso schlechte Provision? Schon als Kunde bekommt man zwischen 80 (qipu mit Allsecure) und 100 EUR (web.de Aktion) Kickback.

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